Indianer und Weiße am Glimmerglas-See

 

 

James Fenimore Cooper: „Wildtöter“ (Deerslayer)

 

 

Die fünf Lederstrumpf-Romane von James F. Cooper (1789–1851) sind in der Reihenfolge ihrer Ersterscheinung:

 

-„The Pioneers, or the Sources of the Susquehanna”, 1823

(”Die Ansiedler”, 1824)

 

-“The Last of the Mohicans, 1826

(“Der letzte Mohikaner”, 1826)

 

-“The Prairie“, 1827

(„Die Prairie“, 1845)

 

-„Pathfinder, or „The Inland Sea“, 1840

(“Pfadfinder”, 1840)

 

-“Deerslayer, or The First War-Path”, 1841

(“Wildtöter”, 1841)

 

 

Von den zahlreichen Büchern Coopers ist diese Reihe im Gedächtnis geblieben, wozu die Bearbeitungen als Jugendbücher, Spielfilme und andere Medien beigetragen haben. Die Bände bieten keine chronologische Handlungsfolge, vielmehr müsste der letzte Band „Wildtöter“ am Anfang der Reihe stehen, da es hier um die frühesten Ereignisse geht und die auftretenden Personen in ihrer Jugend stehen. Aber in den fast zwei Jahrzehnten zwischen erstem und letztem Band ist ein gewachsenes Können des Autors deutlich spürbar, liest sich doch der „Wildtöter“ erheblich flüssiger, eleganter und anschaulicher als etwa der so viel früher erschienene „Letzte Mohikaner“. Auch Naturschilderungen haben eine andere, sanfte Dynamik und ein Eigenleben, das jenseits von Topographie besteht. Die Fließgeschwindigkeiten des Wassers, die am Ufer überhängenden Zweige, perspektivische Veränderungen beim Paddeln – das alles hat die Konturen des Erzählens mit einem anderen Pulsieren erfüllt. Vermutlich lässt auch die neue deutsche Übersetzung von Günter Löffler die Sprache Coopers geschmeidiger und schlanker erscheinen - mir liegt zudem eine Ausgabe des Benziger Verlags 1977 vor als Lizenzausgabe des Verlags Neues Leben (Berlin/DDR, 1976) mit Zeichnungen von Klaus Ensikat, die den Lesegenuss erheblich steigern.

 

Der Titel „Wildtöter“ stellt zwar die Hauptperson der Lederstrumpf-Reihe in den Fokus, aber dieser Wildtöter, der als weißer Junge bei den Delaware-Indianern sozialisiert wurde und als Nathaniel Bumppo, Hawkeye (Falkenauge), Kundschafter, Waldläufer und was auch immer bezeichnet wird, ist in diesem Roman keineswegs die Hauptfigur. Das Buch hat wenige Nebenfiguren. Die Handlung erstreckt sich zwischen den weißen Männern Tom Hutter und Henry March, den beiden Schwestern Judith und Hetty, die als Töchter Tom Hutters gelten, sowie zwischen dem Delaware-Paar Chingachgook und Wah-tah-wah und den Huronen Rivenoak (der hier „Gespaltene Eiche“ heißt), Häuptling Puma und dessen Schwester Sumach - die Letzteren sind bereits  Nebenfiguren, wenn auch entscheidend für den Handlungsverlauf. Wildtöter als weißer Delaware bildet die mentale Brücke zwischen Weißen und Indigenen, wobei er indianische und christliche Ethik miteinander verknüpft.

 

Ja, doch, spannend geht es durchaus auch zu, obwohl das Hin und Her des Plots nicht immer ganz logisch scheint. Folgendes passiert, und zwar meist auf dem Glimmerglas-See im heutigen Bundesstaat New York und an dessen Ufern. Der ältere Tom Hutter und der jüngere Henry March, genannt Hurry Harry, sind zwei Wildnis-affine, wenig zartfühlende Kerle. Harry hat ein Auge auf Tom Hutters schöne Tochter Judith geworfen, traut sich aber sich nicht richtig heran – er zögert mit Recht, denn sie hat mit ihm nichts im Sinn. Tom und seine beiden Töchter leben mitten im See in der „Burg“, einer Art Pfahlbau, und können sich per Kanu, vor allem aber mit einem großen Floß, der sogenannten „Arche“, ans Ufer bewegen. Harry ist zudem mit dem jungen Wildtöter Natty Bumppo befreundet, was den Leser etwas zweifeln lässt, denn hinsichtlich ihrer ethischen Einstellung sind die Beiden fast konträr – Harry der skrupellose Haudrauf, Wildtöter der klug Abwägende mit hohen sittlichen Ansprüchen, dem dann folgerichtig auch keine kämpferischen Fähigkeiten zugesprochen werden. Wildtöter seinerseits ist auch mit dem Delaware-Indianer Chingachgook aus dem Geschlecht der Uncas befreundet, der hier in seiner Jugend auftritt – in Coopers „Letztem Mohikaner“ ist Chingachgook ein alter Krieger und Uncas sein Sohn. Chingachgook wird von Wildtöter erwartet, da Huronen das Delaware-Mädchen Wah-ta-Wah entführt haben, Chingachgooks zukünftige Frau; Wildtöter will ihm behilflich sein, die Schöne aus Feindesland zurückzuholen.

 

Cooper, sicherlich inspiriert von realen Ereignissen um den Trapper Daniel Boone (1734-1820), dessen Tochter von Indianern geraubt wurde (Boone ist wohl auch das Vorbild für Tom Hutter), knüpft nun ein Netz aus Beziehungen und Begegnungen, labilen Bindungen und feindseligen Kontroversen, das zwar mit ethisch-religiösen Disputen getränkt wird, aber zu keinem konstruktiven Ende führt. Das Ende jedenfalls ergibt sich nicht zwingend aus der Handlung, sondern aus dem halbwegs herbeigezauberten Auftreten britischer Soldaten, die in einem – von Cooper sehr lakonisch behandelten – Massaker den ganzen Spuk beseitigen.

 

Die Handlung wäre natürlich zu geradlinig verlaufen, wenn es nur um die Befreiung der jungen Delaware Wah-ta-Wah durch Wildtöter und Chingachgook gegangen wäre. Für Tom und Harry spielt diese Angelegenheit, spielt auch die Bindung zwischen Wildtöter und Chingachgook keine Rolle. Sie haben herausgefunden, dass im Lager der Huronen am andern See-Ufer kaum Krieger, sondern hauptsächlich Frauen und Kinder anwesend sind – leichte Beute für sie, die beiden weißen Männer werden sie überfallen, skalpieren und die Skalps an die Briten verkaufen. Wildtöter rudert die beiden im Kanu ans Ufer und will selbst nicht mitmachen, nimmt aber den Mordplan hin. Die Sache geht gründlich schief. Es sind nicht die beiden Weißen, die sich an wehrlosen indigenen Familien gütlich tun, sondern die Huronen nehmen die beiden Männer gefangen und drohen ihnen mit dem Tod.

 

Wildtöter ist mit dem Kanu die Nacht über in Ufernähe geblieben und wird am Morgen von einem Huronen angegriffen, den er tötet. Es ist ein ehrenvoller Tod, und sterbend verleiht ihm der Krieger den Namen „Hawkeye“ – Falkenauge, unter dem Natty Bumppo in den Lederstrumpf-Romanen gelegentlich auftaucht. Einen zweiten Huronen kann Wildtöter ohne Blutvergießen vertreiben, und als er, zurück in  der Burg, den Mädchen die Lage erklärt, wird nach einem Mittel gesucht, Tom und Harry lebend auszulösen. Es gibt da eine schwere alte Truhe, in der Tom seine Geheimnisse verwahrt, sie lässt sich aber nicht öffnen. Judith ist fasziniert von Wildtöters aufrichtiger, unerschrockener Art und bringt ihn zusammen mit ihrer geistig etwas behinderten Schwester Hetty zum vereinbarten Ufer-Treffpunkt mit Chingachgook. Der kann auch sekundenschnell an Bord genommen werden, aber er wird verfolgt von einer ganzen Huronenmeute, der man nur mühsam entkommt. Es ist klar, dass jetzt alle Vier mit Huronen-Angriffen rechnen müssen.

 

Chingachgook hat bei den Huronen offenbar Tom und Harry unverletzt, aber von baldigem Tod bedroht gesehen, und zu den mitunter etwas seltsamen Windungen der Handlung gehört es, dass Hetty sich vornimmt, die Männer im Alleingang zu retten. In der Abenddämmerung macht sie sich unbemerkt mit einem Kanu davon und landet am Ufer. Sie ist in der Dunkelheit praktisch nicht mehr sichtbar, aber auf der Arche vermutet man, wo sie sich aufhält, und versucht, sie zurückzurufen. Was für ein Dialog im Dunkeln, ohne dass Fragende und Antwortende einander sehen! Irgendwann ist Hetty verschwunden und antwortet nicht mehr. Unerschrocken ist sie überzeugt, den Huronen durch lautes Vorlesen aus der Bibel die Geiseln entreißen zu können, aber zuerst macht sie es sich im Wald bequem und schläft ein.

 

Als sie am Morgen von einem Bärenjungen geweckt wird, steht plötzlich auch Wah-ta-Wah vor ihr, die von Chingachgooks Rettungsplan überzeugt ist. Als Gefangene der Huronen, von denen einer sie für seinen Wigwam vorgesehen hat,  gehörte Wah-ta-Wah selbst zu den potentiellen Skalpierungsopfern von Tom und Harry, denen sie knapp entkam. Es schließt sich eine irre Szene an, in der Hetty den Indianern mit der Bibel auf die Nerven geht.

 

Derweil auf Burg und Arche mitten im See: es gelingt, die Truhe zu öffnen, es kommen eine Menge Kleidungsstücke zum Vorschein, von denen keines Tom zu gehören scheint, sowie zwei Pistolen. Beim Ausprobieren explodiert eine in Hawkeyes Hand im Lauf. Schließlich kommt auch ein Elfenbein-Schachspiel mit Elefantenfiguren zum Vorschein. Aber da man mit Huronen-Angriffen rechnen muss, wird die Burg komplett ausgeräumt und alle Gegenstände einschließlich der Möbel auf die Arche gebracht. Tatsächlich legt auch ein Floß mit Huronen vom Ufer ab. Wildtöter zeigt ihnen eine der Elefantenfiguren – Tiere mit zwei Schwänzen haben sie noch nie gesehen, sie sind völlig weg davon und lassen sich auf den Deal ein – pro Elefant soll eine Person frei kommen. Für den Fall, dass die Huronen es sich doch noch anders überlegen und trotzdem angreifen, um weitere Schätze zu erbeuten, schlägt Hetty gemeinsames Bibelvorlesen vor. Wildtöter wird da nicht mithalten, er kann nicht lesen.

 

Die Huronen bringen Tom und Harry dank der Elefanten aber tatsächlich gefesselt zur Arche zurück. Doch auf beiden Seiten ist die Situation nicht entspannt. Die befreiten Geiseln planen Rache für die Demütigung. Die Huronen sind womöglich auf weitere Beute aus. Und Wah-ta-Wah ist noch immer bei ihnen gefangen. Um sie endlich zurückzuholen, machen sich Tom, Harry, Wildtöter und Chingachgook mit dem Kanu ins feindliche Lager auf – und finden es leer, die Huronen haben den Standort gewechselt. Chingachgook und Wildtöter entdecken sie aber, schleichen sich an, und Chingachgook gelingt die Flucht mit Wah-ta-Wah, doch dabei gerät Wildtöter in Gefangenschaft.

 

Nun sind Huronen, die von Cooper immer wieder als hinterlistige Brutalos geschildert werden, nicht einfach Mörder, sondern erstmal auf ihren Vorteil bedachte Diplomaten. „Gespaltene Eiche“ (Rivenoak) schlägt Wildtöter vor, seine weißen Freunde auszuliefern und selber dann bei den Huronen zu leben – einen Krieger wie ihn können sie gebrauchen. Den ungeheuerlichen Verrat lehnt der junge Mann natürlich ab, so dass ihm jetzt mit ehrenvoller Folter gedroht wird.

 

Das bekommt Hetty mit, die wegen ihrer Geistesschwäche von den Huronen nicht als Gefahr betrachtet wird und sich ungehindert zwischen den Fronten bewegt. Sie berichtet es Judith, die längst in Wildtöter verliebt ist und ihn unter allen Umständen retten will. Die beiden Mädchen im Kanu, Tom, Harry, Chingachgook und Wah-ta-Wah auf der Arche schwimmen aber erstmal auf die verlassene Burg zu, in der Huronen vermutet werden – vom Abzug der Bewohner hatten sie nichts mitbekommen und daher wohl einen tödlichen Angriff geplant. Und tatsächlich – als Chingachgook als Kundschafter die Burg betritt, stellt sich heraus, dass drei Huronen ins Innere gekommen sind.

 

Es entspannt sich eine langwierige, tödliche Auseinandersetzung, in der Cooper seine Detailfreude an Kampfszenen auslebt. So liefert sich Harry einen schrecklichen Nahkampf mit einem Huronen, während Tom den Feinden in die Hände fällt und gefesselt wird. Nachdem sich Kämpfe sowohl in der Burg als auch auf der Arche abgespielt haben, finden Judith und Hetty ihren Vater sitzend auf der Arche – nachdem er vor hatte, Frauen und Kinder zu skalpieren, haben die Huronen nun ihm dieses Schicksal zugefügt – er stirbt bald darauf an seiner schweren Verletzung und berichtet noch kurz zuvor, er sei nicht der leibliche Vater der beiden Mädchen. Er wird im See bestattet an derselben Stelle, wo auch die Mutter am Gewässergrund unter einem Erdhügel liegt. Irritierend angesichts von Coopers Detailfreude, dass hier ein doch sehr ungewöhnlicher Vorgang mit leichter Hand abgewickelt wird – das weiße Leichentuch der Mutter scheint noch hervorzublitzen, und um den Vater zu beerdigen, hätte es nicht mindestens einen Taucher benötigt? Und wieso hält diese Erdaufschüttung trotz der Bewegung des Wassers, die manchmal sogar die Arche abtreiben lässt?

 

Nach Toms Tod will Harry fortgehen, sein Heiratsangebot an Judith wird abgelehnt. Er verspricht aber, das britische Fort aufzusuchen und zum Schutz der Mädchen ein paar Soldaten anzufordern. Die Mädchen sollten wohl besser nicht allein in der „Wildnis“ bleiben, doch Hetty möchte nicht fortgehen, sie schlägt Judith vor zu heiraten, dann wäre doch ein Mann bei ihnen.

 

Bevor dieser Handlungsstrang weiter entwickelt wird, taucht plötzlich der bei den Huronen gefangene Wildtöter im Kanu auf – er ist nicht frei, sondern wurde mit einer Botschaft geschickt. Die Huronen, erneut clevere Diplomaten, fordern Wah-ta-Wah zurück und bieten den beiden weißen Schwestern ein Zuhause in ihrem Stamm an, der dann natürlich auch Toms Nachlass bekäme. Bis zum Mittag des nächsten Tages muss Wildtöter zurück sein. In allen Fällen wird das Angebot abgelehnt, was Wildtöter nun endgültig das Leben kosten wird. Dass er sein Wort halten und sich nicht davonstehlen wird, steht für ihn außer Frage.

 

Aber zunächst räumt er mit Judith die große Truhe aus, um den ganzen Nachlass sowie Toms wahre Identität zu erkunden. Es stellt sich heraus, dass Tom unter falschem Namen gelebt hat und ein steckbrieflich gesuchter Pirat war – war er überhaupt mit der Mutter der Mädchen verheiratet? War er am Tod des leiblichen Vaters schuld?

 

Im Grunde wollen die Huronen den Foltertod Wildtöters vermeiden. Als er wie vereinbart bei ihnen zurück ist – was sie ihm hoch anrechnen – schlagen sie erneut einen Deal vor. Sumach, die Witwe des Mannes, den er getötet hat, steht nun ohne Ehemann da, eigentlich ist es seine Pflicht, sie zu heiraten. Aber er ist ein weißer Christ, und das geht gegen seine Natur. Die Ablehnung wird als empörende Arroganz verstanden, und Puma, Häuptling und Bruder der Witwe, schleudert wütend den Tomahawk gegen ihn. Toller Gag, der genau so in manchen Verfilmungen vorkommt: noch im Flug bekommt Wildtöter die Waffe in den Griff und schleudert sie auf demselben Weg zurück, wobei er den Mann tödlich an der Stirn trifft. Im allgemeinen Durcheinander kann Wildtöter entkommen und sich am Ufer ins Kanu retten, aber die Huronen haben vorsichtshalber das Paddel entfernt. Er versteckt sich liegend und hofft, dass das Boot vom Ufer weggetrieben wird. Als der Lärm verklungen ist, steht er auf und sieht sich um: „Gespaltene Eiche“ steht direkt vor ihm, er hat das Kanu ans Ufer gezogen. Die huronische Diplomatie erneuert das Heiratsangebot, die arme Sumach hat schließlich durch Wildtöters Hand nun auch ihren Bruder verloren, aber das Angebot wird wieder abgelehnt. Man erhöht den Druck, Wildtöter wird gefesselt an einen Baum gebunden, Sumach tritt vor ihn hin und versucht es noch einmal – vergeblich. Der Stamm ist wütend über die fortgesetzte Missachtung und beginnt mit dem Vorspiel der Folter, die zunächst nur aus Einschüchterungen und Beschimpfungen besteht.

 

Plötzlich erscheint Judith – in einem der Brokatgewänder aus der Truhe. Sie tritt in herrschaftlicher, ja königlicher Überlegenheit auf, und den Huronen verschlägt es die Sprache. Aber nicht lange – der Versuch, Wildtöter durch ein paar weitere Elfenbeinfiguren auszulösen, schlägt fehl, die Vorbereitungen der Folter gehen weiter. Erneute Verblüffung, als auch Wah-ta-Wah und Chingachgook auftauchen, um Wildtöter mitzunehmen. Die beiden haben gegen zornige Huronen freilich keine Chance – wie soll eine derart auf die Spitze getriebene Handlung enden? Mit dem absehbaren Tod aller Hauptfiguren?

 

Nein, zwar mit einem Massaker, aber nicht an dem der Hauptfiguren. Harry hat im britischen Fort die Soldaten alarmiert, und die greifen nun ein. Einige Huronen können fliehen, viele werden getötet, mit einer fast beiläufigen Lakonie lässt Cooper die Spannung in Vernichtung auslaufen: „Dann verrichteten die Bajonette ihr blutiges Werk“, heißt es schließlich ungerührt, als ginge es um eine Banalität.

 

Bei den Kämpfen ist Hetty verletzt worden und stirbt nach einer rührenden Abschiedsszene mit Judith. Die handelnden Personen erwarten ein anderes Leben, das sie nun auseinander treibt. Judith springt über den Schatten ihrer anerzogenen Schicklichkeit und macht Wildtöter einen Heiratsantrag, den er ins Leere laufen lässt. Sie geht wortlos und allein davon. Wildtöter wird aufseiten der Briten kämpfen, Chingachgook und Wah-ta-Wah gehen zu den Delawaren zurück. Als Wildtöter nach 15 Jahren zufällig wieder in der Gegend ist, findet er außer den zerfallenden Spuren des Massakers auch ein Band von Judith in der Arche. Er steckt es an den Ladestock seines Gewehrs. Im Fort erkundigt er sich nach ihr, aber außer nebulösen Andeutungen kann niemand ihm sagen, was aus ihr geworden ist. Cooper schließt mit schmerzlich-versöhnlichen Worten: „Wir leben in einer Welt der Vergehen und der Selbstsucht. Kein Bild, das dies übersieht, kann wahr sein. Zum Glück blinzelt wie die Sonne hinter Wolken jener reine Geist durch, nach dessen Vorbild der Mensch geschaffen sein soll. Seine Strahlen liegen verklärend auf aller Niedertracht.“ Nun ja.

 

James Fenimore Cooper: „The Deerslayer”, Deutsch “Wildtöter”, neu übersetzt von Günter Löffler, Benziger Verlag, Zürich/Köln 1977, Lizenzausgabe des Verlags Neues Leben, Berlin, DDR, 1976, Schutzumschlag, Einband und Illustrationen im Text: Klaus Ensikat, 332 S., ISBN 3 545 32135 5

 

 

27. Februar 2025        Copyright Christel Heybrock