Die verlorenen Orte

 

Tommy Orange: „There There“, Deutsch „Dort Dort“

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Das Erzählen von Geschichten gehört von jeher zu den kulturellen Fähigkeiten der indigenen Nationen, bevor sie von Kolumbus „entdeckt“ wurden. Aber ihr im Gegensatz zu weißen Erzählern unterentwickeltes hierarchisches Denken führt dazu, dass man es als weißer Leser nicht immer leicht hat mit der Lektüre. Wer es gewöhnt ist, dass sich Dramen um eine, zwei oder höchstens drei Hauptpersonen ranken und dass man die anderen immer mal vergessen kann – der verliert bei Indigenen schnell den Überblick. Denn hier ist jede einzelne Figur wichtig. Wie im Kreis, der indigenes Denken bis heute prägt, sind alle in einem Verbund, und jeder einzelne hat seine mit den anderen verflochtene Geschichte. Wenn es sich in Tommy Oranges Roman „There There“ um zwölf Leute handelt - mit denen weitere zusammenhängen – dann hat man sie spätestens nach 100 Seiten durcheinander geworfen, weil es den ungeübten weißen Kopf überfordert.

 

Es ist hilfreich, sich von Beginn an Notizen zu machen, was auch die Erzählstruktur selbst bis in ihre Verästelungen besser erkennen lässt. Das große Thema von Orange sind, wie könnte es anders sein, die katastrophalen Auswirkungen der Kolonisierung durch die weißen Siedler. Der Titel „There There“ („Dort Dort“) entstammt einem Song der britischen Rockband Radiohead, den eine der Romanfiguren auf dem Handy hört. Das klingt harmlos nur auf der Oberfläche – der Songtext deutet vielmehr an, dass es keinen Ort mehr gibt. Der Ort, die konkrete geographische Mitte eines Geschehens, unverzichtbar für indigenes In-der-Welt-Sein und für die Verbundenheit mit dem Planeten Erde, wurde den Menschen entrissen: „Aber für die Ureinwohner dieses Landes, des ganzen amerikanischen Doppelkontinents, ist das alles neu bebautes, vergrabenes Ahnenland, Glas und Beton und Draht und Stahl, unwiederbringliche, bedeckte Erinnerung. Es gibt dort kein Dort,“ heißt es an einer Stelle.

 

Im Gegensatz zu seiner Kollegin Louise Erdrich, die teilweise deutsche Wurzeln hat und sich die komplizierten Verbindungen und Zerstörungen weißer und indianischer Lebensgeschichten zum Thema gemacht hat, richtet der Cheyenne-Autor Orange den Fokus allein auf die indigene Seite – auf die Unmöglichkeit, sich als Indianer zwischen Weißen einen eigenen Platz zurück zu erkämpfen. Die Lebensgeschichten der zwölf Menschen sind eigentlich Geschichten des Nichtlebenkönnens, des permanenten Unglücks, der Suche nach einem noch so bescheidenen Zuhause, es sind Geschichten von zerfallenden Beziehungen, von linderndem Alkoholismus, von Drogendealern und Autodieben, die ihren Lebensunterhalt nicht anders bestreiten können. Und es sind Geschichten, in denen die Menschen immer mal versuchen, wieder den Kopf zu heben, in einem neu gegründeten sozialen Zentrum sich und anderen die Möglichkeit zu geben, wieder Wurzeln zu treiben. Orange hat als Schauplatz der vielen auseinander driftenden und doch ineinander greifenden Leben einen konkreten Standort etabliert, an dem er selbst geboren wurde und aufgewachsen ist: die 1852 gegründete Stadt Oakland in Kalifornien, am Ufer der Bucht von San Francisco.

 

Und hier kommt auch alles wie unter einem Brennglas zusammen. Es soll ein Powwow veranstaltet werden, ein Treffen, bei dem Indianer von nah und fern sich temporär wieder als sie selber fühlen können, eine Erneuerung ihrer Identität. Tänzer, eine Trommlergruppe werden erwartet, ein Wettbewerb soll die Besten auszeichnen, ein Safe mit Geldkarten ist unterwegs. Zarte Hoffnungen keimen, eine Jahrzehnte zurückliegende Geschichte zwischen Jacquie Red Feather und Harvey, der sie damals missbraucht hat, scheint ein unerwartetes, harmonisches Ende zu nehmen. Harvey, damals selber unterdrückt von einem brutalen Vater, erweist sich als einsichtiger, empathischer Erwachsener. Die damals gezeugte Tochter Blue, die Jacquie zur Adoption freigegeben hatte und die beide Eltern nie gesehen hat, findet aus der Distanz einen Weg zu ihnen…

 

Doch: „Die Wunde, die gerissen wurde, als die Weißen kamen und sich nahmen, was sie nahmen, ist nie verheilt. Eine unversorgte Wunde entzündet sich. Wird zu einer anderen Art von Wunde…“ heißt es im Text, und die komplizierte Verflechtung der Personen endet in einem Desaster. Drogendealer Octavio, Indianer, Mitglied einer von Gewalt zerstörten und mühsam von Großmutter Fina zusammengehaltenen Familie, löst ein Blutbad aus bei dem Versuch, sich beim Powwow der Geldkarten aus dem Safe zu bemächtigen. Er und seine  Mitstreiter erschießen sich praktisch gegenseitig, wobei viele andere sterben. Der Roman endet in kleinen einzelnen Kapiteln – in den jeweils individuellen Empfindungen und Bewusstseinsschichten der einzelnen Sterbenden. Diese Passagen gehören zu den intensivsten und – man zögert bei dem Wort – zu den poetischsten des Romans. Es ist, als bringe der Moment des Todes ihnen die indigene Identität zurück.

 

Hier werden keine Schuldfragen aufgeworfen oder gar beantwortet. Es gibt keine Schuld der Akteure, die Schuld, die es gab, liegt Jahrzehnte und Jahrhunderte zurück und wurde nie gesühnt, sie wurde und wird von den Schuldigen nie auch nur erkannt. Es gibt stattdessen die Wirklichkeit und ihre zerstörten Orte. Und Hoffnung? Immerhin weiß ja Großmutter Fina noch, wie man, wenn auch vergeblich,  auf indianische Weise gegen einen Fluch angeht. Die Powwows, die gibt es noch. Es gibt die Trommler, denen das Trommeln ein Gebet ist. Es gibt den jungen Filmemacher Dene Oxendene, der Indianer-Interviews als Dokumentation aufzeichnen will. Und es gibt diesen Erzähler Tommy Orange, der das alles sagt.

 

-"There There“, Penguin Random House UK 2018, 292 S., ISBN 978-1-784-70797-2

-deutsche Ausgabe „Dort Dort”, aus dem Englischen von Hannes Meyer, 284 S., Hanser Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-446-26413-7

 

27.Juli 2024    Copyright Christel Heybrock

 

 

The Lost Places

Tommy Orange: *There There*

 

Storytelling has long been a cultural skill of Indigenous nations—dating back to well before they were “discovered” by Columbus. However, their approach to narrative—which lacks the hierarchical thinking typical of white storytellers—can make the reading experience challenging for a white reader. Those accustomed to dramas centered on one, two, or at most three protagonists—where secondary characters can easily be forgotten—will quickly lose the thread here. For in this narrative, every single character matters. Much like the circle—a shape that continues to define Indigenous thought—everyone is interconnected, and each individual possesses a story intertwined with the others. In Tommy Orange’s novel *There There*, which focuses on twelve characters (and the others linked to them), the reader is likely to mix them up within the first hundred pages; the sheer number of connections can overwhelm an unpracticed white mind.

 

It is helpful to take notes from the very beginning; doing so also makes it easier to grasp the intricacies of the narrative structure itself. Orange’s major theme is—as one might expect—the catastrophic impact of colonization by white settlers. The title *There There* is drawn from a song by the British rock band Radiohead, which one of the novel’s characters listens to on their phone. While this may seem harmless on the surface, the song’s lyrics actually suggest something far more profound: that there is no longer a place. Place—the specific geographical center of events, indispensable to the Indigenous way of being-in-the-world and to a connection with planet Earth—has been torn away from the people: "But for the Native people of this land, of the entire American double continent, all of this is newly built-over, buried ancestral land—glass and concrete and wire and steel—an irretrievable, covered-up memory. There is no *there* there," the text notes at one point.

 

Unlike his colleague Louise Erdrich—who has partial German ancestry and made the complex interconnections and mutual destruction of white and Native American lives a central theme—the Cheyenne author Orange focuses exclusively on the Indigenous perspective: the impossibility of fighting to reclaim a place of one’s own as a Native person amidst a white population. The life stories of the twelve individuals are, in essence, stories of an inability to truly live—of constant misfortune and the search for even the humblest of homes; they are tales of disintegrating relationships, of alcoholism used to numb the pain, and of drug dealers and car thieves who have no other way to make a living. Yet they are also stories of people occasionally trying to lift their heads again, seeking—through a newly established community center—to give themselves and others the chance to put down roots once more. As the setting for these many lives—drifting apart yet inextricably intertwined—Orange has chosen a specific location where he himself was born and raised: the city of Oakland, California, founded in 1852 on the shores of San Francisco Bay.

 

It is here that everything converges, as if under a magnifying glass. A powwow is being organized—a gathering where Native people from near and far can briefly feel like themselves again, a renewal of their identity. Dancers and a drum group are expected, a competition is set to honor the best among them, and a safe containing cash cards is on its way. Faint hopes begin to sprout; a decades-old history between Jacquie Red Feather and Harvey—who abused her back then—seems to be heading toward an unexpected, harmonious resolution. Harvey, himself once oppressed by a brutal father, proves to be an insightful, empathetic adult. Their daughter Blue—conceived back then, given up for adoption by Jacquie, and having never met either parent—finds a way to connect with them from afar...

 

Yet, as the text puts it: "The wound torn open when the white people came and took what they took has never healed. An untreated wound festers. It turns into a different kind of wound..." The complex web of lives ends in disaster. Octavio—a Native American drug dealer and member of a family shattered by violence yet painstakingly held together by Grandmother Fina—triggers a bloodbath while attempting to steal cash cards from the safe during the powwow. He and his accomplices effectively kill one another, claiming many other lives in the process. The novel concludes with brief, individual chapters—each capturing the unique sensations and layers of consciousness of those dying. These passages rank among the most intense and—though one hesitates to use the word—poetic moments in the novel. It is as if the moment of death restores their Indigenous identity.

 

No questions of guilt are raised here, let alone answered. The characters bear no personal blame; the guilt that did exist dates back decades or even centuries and was never atoned for—indeed, it was and remains unrecognized by those responsible. Instead, there is simply reality and its devastated landscapes. And hope? Well, Grandmother Fina still knows how to confront a curse in the Native American way, however futile the effort may be. The powwows still exist. There are the drummers for whom drumming is a form of prayer. There is the young filmmaker Dene Oxendene, who wants to record interviews with Native Americans for a documentary. And there is the narrator, Tommy Orange, who tells us all of this.

 

 

*There There*, Penguin Random House UK 2018, 292 pp., ISBN 978-1-784-70797-2 - German edition *Dort Dort*, translated from English by Hannes Meyer, 284 pp., Hanser Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-446-26413-7

 

July 27, 2024     Copyright Christel Heybrock

Translation by Google

 

Indianische Familiengeschichte über anderthalb Jahrhunderte

 

 

Tommy Orange: „Wandering Stars“ (Deutsch: „Verlorene Sterne“)

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Nach seinem Erstling “There There“ (deutsch „Dort Dort“) ist „Wandering Stars“ der zweite Roman des Cheyenne-Indianers Tommy Orange, und – wer hätte das gedacht – er setzt sich erneut damit auseinander, was es bedeutet, Indianer zu sein in einer Welt, die einen eigentlich für ausgerottet oder dank systematischer Zwangsintegration zumindest für unsichtbar hält. Die beiden Romane sind eng miteinander verknüpft, aber es handelt sich nicht um eine simple Fortsetzung, im Gegenteil.

 

Erst in „Wandering Stars“ greift Orange zurück an den Ursprung seiner Geschichte, das Sand Creek Massaker von 1864, bei dem rund 150 Frauen, Kinder und Alte der Cheyenne und Arapaho von US-Soldaten getötet wurden. Überlebende wurden als Kriegsgefangene nach Fort Marion in Florida gebracht, der Urvater von Oranges Familiengeschichte, Jude Star, und dessen Freund Victor Bear Shield sind auch darunter. Unter der Regie des naiv wohlwollenden  Indianer-Umerziehers Richard Henry Pratt (1840-1924) sollen sie in dem sternförmigen Fort zu Amerikanern werden, ihnen werden die Haare abgeschnitten, die Kleider weggenommen, Sprache und Kultur verboten, soweit sie nicht zur Sensation für weiße Besucher dienen, sie bekommen Bibel- und Englisch-Unterricht und zivilisierte neue Namen. Jude Star entnimmt seinen dem Judas-Brief aus der Bibel, Victor Bear Shield wählt seinen Vornamen aus Mary Shelleys „Frankenstein“-Roman. Die Familien von Jude Star und Victor Bear Shield werden später miteinander verbunden, indem Victors Tochter Opal und Judes Sohn Charles miteinander leben wollen und ein Kind zeugen – das Leben wird ihnen verwehrt, aber das Kind Victoria Bear Shield (= Vicky), dessen Mutter Opal bei der Geburt stirbt, wächst in einer weißen Familie auf und erfährt spät, dass sie eine Cheyenne ist.

 

Auch Vickys Leben verläuft alles andere als geradlinig, sie bekommt zwei Töchter von verschiedenen Männern, bevor sie an Krebs stirbt, und die Mädchen Jacquie Red Feather und Opal Viola Victoria Bear Shield tun alles, um ihr Leben in „normale“ Bahnen zu lenken. Opal gelingt das einigermaßen, Jacquie bringt von einem Unbekannten eine Tochter zur Welt, die sich drogensüchtig erschießt, nachdem sie selbst Mutter dreier Söhne geworden ist, die anschließend bei ihrer Großtante Opal aufwachsen – Jacquie ist nach dem Selbstmord ihrer Tochter jahrelang alkoholkrank. Die drei Jungs kamen bereits heroinkrank zur Welt.

 

Die Kurzzusammenfassung lässt schon erkennen, dass es sich bei allen Personen um immer wieder abbrechende, scheiternde und unrealisierbare Lebensentwürfe handelt. Sie alle leiden unbewusst am Verlust ihrer indigenen Identität, die ihnen Halt gegeben und sie mit ihren Vorfahren und der Erde verbunden hätte. Endet der Roman „There There“, in dem Indianer keinen Ort haben, mit einem Desaster bei dem Versuch, einen neuen Ort einzurichten - so haben in „Wandering Stars“ Jacquies Enkelsöhne zuletzt doch eine Ahnung, wohin sie gehören, dass es in ihnen selbst Möglichkeiten gibt, ihre Herkunft, ihre tiefen Bindungen wieder zu finden. „Wandering Stars“ endet mit einer leisen, intensiven Hoffnung – der deutsche Titel „Verlorene Sterne“ ist ganz unangemessen, auch einige subtile Verbindungen und vor allem der lockere Erzählton gehen in der Übersetzung verloren.

 

Die Symbolik der „Sterne“ blitzt in verschiedensten Zusammenhängen auf – sie beginnt mit dem Namen von Urvater Jude Star und dem sternförmigen Fort Marion, und sie endet nicht mit dem sternförmigen Schrapnell, das seit der Powwow-Schießerei von „There There“ in Orvils Körper herumwandert. Wandernde Sterne sind auch die Figuren selbst, die sich nach abbrechenden Lebensbahnen neu finden müssen – „Wandering Stars“ bedeuten nach altem deutschem Sprachgebrauch „Wandelsterne“, nämlich Planeten, die am Nachthimmel immer ihre Position zu ändern scheinen, im Gegensatz zu „Fixsternen“.

 

Tommy Orange hat einen Roman in leicht lesbarer Alltagssprache geschrieben, der es aber in sich hat, was die Erzählstruktur betrifft. Die verläuft keineswegs geradlinig, sondern in kompliziert miteinander verbundenen Vorgriffen und Nachblicken und stets wechselnden Perspektiven. Oft weiß man zu Beginn eines Kapitels nicht, von wem die Rede ist, und der abenteuerlichste innere Monolog ist der von Opal Viola Bear Shield, die mit ihrem ungeborenen Kind spricht, während sie dessen Vater, den toten Charles, auf einem Pferd abtransportiert, um ihn draußen in der Natur nach Cheyenne-Sitte in Tücher gewickelt hoch oben auf einem Baum zu bestatten. Trotz der Bizarrerie dieser Situation ist Oranges Sprache hier von tiefer poetischer Kraft, ähnlich wie später der ungewöhnliche, halb innere, halb von außen kommende Monolog der an Krebs sterbenden Vicky. Das Bewusstsein von Sterbenden erfährt bei Orange eine sprachliche Durchdringung, als sei es erst das Sterben, das Indianer zu sich selbst brächte; das ließ sich schon in „There There“ wahrnehmen, wo am Ende so viel Blut fließt.

 

Aber das Ende von „Wandering Stars“ zielt darauf ab, das Sterben, das Abbrechen der Lebensentwürfe als Durchgang zu einer neuen Identität der Lebenden zu erfahren. Lony, einer der beiden Brüder von Orvil Red Feather, hat die Familie einst mit unbekanntem Ziel verlassen, man hält ihn unausgesprochen wohl für tot, aber er meldet sich nach Jahren aus der Sierra Nevada wieder mit einem Schreiben, in dem er sich wünscht, „dass ihr alle da seid“. Nur das: „Most of all I just hope you´re all there“ – mit dieser Formulierung schließt Tommy Orange den Kreis zu „There There“, ein Detail, das leider auch durch die Übersetzung verloren geht. Ein schönes, komplexes, schwieriges Buch. Mal so Drüberlesen genügt nicht.

 

-„Wandering Stars“, Penguin Random House, 315 S., UK 2024, HB ISBN 9781787304550

-“Verlorene Sterne“, aus dem Englischen von Hannes Meyer, 304 S., Hanser Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-446-28001-4

 

14. September 2024   Copyright Christel Heybrock

 

 

A Native American family saga spanning a century and a half

Tommy Orange: *Wandering Stars*

 

Following his debut *There There*, *Wandering Stars* is the second novel by Cheyenne author Tommy Orange. Once again—unsurprisingly—he grapples with what it means to be Native American in a world that essentially regards them as either extinct or, thanks to systematic forced integration, at least invisible. While the two novels are closely linked, *Wandering Stars* is by no means a simple sequel; quite the opposite.

 

It is only in *Wandering Stars* that Orange reaches back to the origins of his story: the Sand Creek Massacre of 1864, in which U.S. soldiers killed around 150 Cheyenne and Arapaho women, children, and elders. Survivors were taken as prisoners of war to Fort Marion in Florida; among them were Jude Star—the patriarch of Orange’s family saga—and his friend Victor Bear Shield. Under the supervision of Richard Henry Pratt (1840–1924)—a man of naively benevolent intentions regarding Native American re-education—they were meant to be transformed into Americans within the star-shaped fort. Their hair was cut, their clothes confiscated, and their language and culture banned (except when serving as a spectacle for white visitors); they received instruction in the Bible and English and were given "civilized" new names. Jude Star took his name from the biblical Epistle of Jude, while Victor Bear Shield chose his first name from Mary Shelley’s novel *Frankenstein*. The families of Jude Star and Victor Bear Shield later became intertwined when Victor’s daughter, Opal, and Jude’s son, Charles, decided to build a life together and conceived a child. They were denied a future together, but the child—Victoria Bear Shield (known as Vicky)—survived; her mother, Opal, died in childbirth, and Vicky grew up in a white family, only learning much later that she was Cheyenne.

 

Vicky’s life, too, is anything but straightforward; she has two daughters by different men before dying of cancer, and the girls—Jacquie Red Feather and Opal Viola Victoria Bear Shield—do their utmost to steer their lives onto a "normal" path. Opal manages this reasonably well, whereas Jacquie gives birth to a daughter by an unknown man; that daughter becomes a drug addict and shoots herself after becoming a mother to three sons of her own—boys who subsequently grow up with their great-aunt Opal, while Jacquie struggles with alcoholism for years following her daughter’s suicide. The three boys were born addicted to heroin.

 

This brief summary reveals that the characters’ lives are defined by plans and aspirations that repeatedly stall, fail, or prove impossible to realize. They all suffer—unconsciously—from the loss of an Indigenous identity that would have provided them with stability and connected them to their ancestors and the earth. While the novel *There There*—in which Native Americans have no place to call their own—ends in disaster during an attempt to establish a new home, *Wandering Stars* sees Jacquie’s grandsons finally gain a sense of where they belong, realizing that the potential to rediscover their heritage and deep-seated bonds lies within themselves. *Wandering Stars* concludes on a note of quiet, intense hope—making the German title *Verlorene Sterne* ("Lost Stars") entirely inappropriate; furthermore, the translation loses some of the subtle connections and, above all, the narrative’s relaxed tone.

 

The symbolism of "stars" flashes through a wide variety of contexts—beginning with the name of the forefather Jude Star and the star-shaped Fort Marion, and extending to the star-shaped shrapnel that has been migrating through Orvil’s body ever since the powwow shooting in *There There*. The characters themselves are also "wandering stars"—individuals who must rediscover themselves after their life paths are abruptly disrupted. In older German usage, the term *Wandering Stars* refers to planets—celestial bodies that appear to constantly shift their position in the night sky—as opposed to "fixed stars."

 

Tommy Orange has written a novel in accessible, everyday language, yet its narrative structure is remarkably complex. The story does not unfold in a straight line; instead, it moves through intricately interwoven flash-forwards and flashbacks, shifting constantly between perspectives. Often, at the start of a chapter, the reader does not know who is speaking. One of the most extraordinary interior monologues belongs to Opal Viola Bear Shield; she speaks to her unborn child while transporting the body of the baby’s father—the deceased Charles—on horseback, intending to bury him high up in a tree, wrapped in cloths, out in nature according to Cheyenne custom. Despite the bizarre nature of this scene, Orange’s language possesses profound poetic power—much like the later, unusual monologue of Vicky, who is dying of cancer; her voice seems to hover somewhere between an internal thought process and an external address. In Orange’s writing, the consciousness of the dying is rendered with such linguistic depth that it seems as though the act of dying itself is what brings these Native American characters to their true selves that was already evident in *There There*, where so much blood is shed at the end.

 

However, the ending of *Wandering Stars* aims to frame death—and the abrupt shattering of life plans—as a passage toward a new identity for the living. Lony, one of Orvil Red Feather’s two brothers, had once left the family for an unknown destination; though tacitly presumed dead, he resurfaces years later from the Sierra Nevada with a letter expressing the wish "that you are all there." Just that: "Most of all I just hope you're all there"—with this phrasing, Tommy Orange closes the circle to *There There*, a detail unfortunately lost in translation. A beautiful, complex, challenging book. A casual read won't suffice.

 

 

*Wandering Stars*, Penguin Random House, 315 pp., UK 2024, Hardcover ISBN 9781787304550 - *Verlorene Sterne*, translated from English by Hannes Meyer, 304 pp., Hanser Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-446-28001-4

 

September 14, 2024       Copyright Christel Heybrock

Translation by Google