Und noch eine amerikanische Heldenlegende

 

 

„Jeremiah Johnson“                                USA 1972

 

Ja, es war um 1850 wirklich noch die Zeit  der einsamen Helden, die sich in der Wildnis der Rocky Mountains bewähren wollten/mussten. Jeremiah Johnson war so ein „Mountain Man“, Indianertöter und Indianerfreund, Blockhüttenbauer, Jäger, Trapper… und manch einer scheint zu glauben, der Held sei immer noch „da oben“. Damals brannten halt die Wälder noch nicht, die Holzindustrie hatte noch kein globales Geschäft gewittert, Goldsucher und Eisenbahnlinienbetreiber hatten das Land noch nicht verwüstet, internationale Konzerne noch keine leckenden Ölpipelines hindurch gezogen und und und…

 

Stoff für Legenden gibt es heute nicht mehr, aber die Legenden selber sind umso notwendiger, um DVD-Nutzer psychisch zu stabilisieren. Nur dass Regisseur Sidney Pollack 1972 zwar auf die Cinemascope-Eignung der Landschaft gesetzt hatte, nicht aber auf die dramaturgisch angemessene Einbindung indigener Schauspieler, das kann man ihm nachträglich durchaus vorwerfen. Es hatte in dieser Hinsicht ja einsichtige Vorläufer gegeben, nicht nur bereits 20 Jahre zuvor mit „Broken Arrow“ oder 1954 mit Regisseur Sidney Salkows „Sitting Bull“, sondern auch 1970 mit „A Man Called Horse“ und im selben Jahr mit „Little Big Man“ – was wäre dieser Film gewesen ohne die große Persönlichkeit von Chief Dan George?

 

Bei Pollacks „Jeremiah Johnson“ war das einzige, wenn auch nicht wirklich passende Zugeständnis der Mexikaner Joaquín Martinez als Paints His Shirt Red, nun ja, vielleicht wurden ja auch für einige Massenszenen irgendwelche nicht aufgelistete Indigenen verwendet. Abgesehen von der episch erzählten Legende um den einsamen Helden und von der einst grandiosen Landschaft fragt man sich freilich, warum dieser Film überhaupt gedreht werden musste, denn wirklich spannend ist er nicht, er verzichtet vielmehr auf eine dramatische Handlung und besteht aus einer Kette von Einzelerlebnissen, die zum Schluss leidlich zum Ganzen gefügt werden.

 

Und welche Einsicht vermitteln diese Szenen? Dass für unvorsichtige Eindringlinge Leben und Tod nah beieinander liegen, dass man als Frau den Verstand verlieren kann, wenn böse Indianer Mann und Kinder töten, dass ein von Indianern bewunderter einsamer Held schon mal ein Indianermädchen geschenkt bekommt, das dann aber auch wieder von bösen Indianerfeinden getötet werden kann…. Lauter solche Sachen, die den Ruhm des Helden mehren.

 

Schöner Film.  Die Regie hatte von Hauptdarsteller Robert Redford (1936-2025) rein physisch eine Menge gefordert, Kampfszenen, Schnee, Eiswasser – Redford  hat das prima bewältigt. Sonst nix.

 

10. Juli 2023    Copyright Christel Heybrock