Ausgedörrt von der Mentalität weißer Wissenschaft

 

 

N. Scott Momadays „House Made of Dawn” in der Analyse von Amerikanistin Brigitte Georgi

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„House Made of Dawn“ – vielleicht der schwierigste, der komplexeste indigene Roman überhaupt. Dreimal gelesen, Notizen, Deutsch und Englisch… ja doch, am Ende hatte ich etwas verstanden. Manchmal mag man sich obendrein noch eine andere als die eigene Perspektive eröffnen: Die Untersuchung der Amerikanistin Brigitte Georgi – und jetzt sieht es so aus, als hätte ich ein ganz anderes Buch gelesen als sie.

 

Zunächst: ihrer Auseinandersetzung mit Momaday ging 1982 die Publikation „Der Indianer in der amerikanischen Literatur“ voraus – eine kenntnisreiche Studie über zwei Kulturen auf dem Boden der USA. Die weiße Zivilisation habe sich nie die Mühe gemacht, die ältere indianische mit Interesse, geschweige mit Verstehen oder gar Akzeptanz wahrzunehmen. Es war einfacher und ertragreicher, die Indianer auszurotten.  Demzufolge zieht Brigitte Georgi die Bilanz, das weiße Amerika sei unfähig gewesen (das ist es heute noch), die Perspektive zu wechseln und andere Denkweisen aufzunehmen.

 

Die beinahe Ausgerotteten dagegen – und das erkennt sie mit Recht als fundamentale Leistung – haben nicht nur versucht, das ihnen völlig Fremde zu akzeptieren und sich anzueignen (oft unter brutalem Zwang, aber auch aus eigener Einsicht). Sondern sie sind auch dabei, darüber hinauszuwachsen und ihre eigene Identität wieder zu finden: „Doch dass er“ – der Indianer – „im Prozess der Assimilation nicht nur die Werte der der weißen Kultur  akzeptieren, sondern sich auch noch sein eigenes geistiges Erbe bewahren konnte, zeugt von der gewaltigen Kraft, die in der indianischen Kultur liegen muss. Der Indianer hat nicht nur physisch, sondern auch psychisch überlebt.“ (S. 123)

 

Die Autorin, von umfassender Kenntnis indigener Literatur von der mündlichen Überlieferung bis zu Lyrik und Belletristik, widmete sich Momaday bereits im Rahmen dieser Publikation und sah dann wohl die Möglichkeit einer ausführlicheren Analyse mit dem 1986 erschienenen Titel „Tradition und Moderne in der zeitgenössischen indianischen Literatur der USA“ – der Hauptteil befasst sich mit „N. Scott Momadays Roman ‚House Made of Dawn‘“.   

 

Die Erscheinungsjahre beider Publikationen lassen natürlich keinen Blick auf die wachsende literarische Produktion indianischer Autoren im 21. Jahrhundert zu, aber „House Made of Dawn“ liest man heute noch als Herausforderung. Nach meiner eigenen Rezeption sehe ich etwas irritiert, wie Momadays Roman von Brigitte Georgi nicht etwa als originär indianisches Werk eingestuft, sondern stets im Kontext weißer Literaturgeschichte gesehen wird, und die reicht bei Georgi von der Antike und den Paulusbriefen bis hin zu George Orwell und Ernest Hemingway. Momaday gehörte fraglos zu den nicht eben häufigen universell gebildeten Menschen mit tiefer Kenntnis weißer Mentalität und Kulturgeschichte – Aspekte davon sind in „House Made of Dawn“ eingewoben. Aber dennoch bleibt Momaday in der indianischen Denkweise verwurzelt und  verfügt damit über andere Erkenntnismöglichkeiten als die weiße. Was können einem Momaday-Leser die Paulusbriefe vermitteln? Was hat prinzipiell die weiße Literaturwissenschaft bei der Analyse eines indigenen Romans zu suchen?

 

Fremde Lese-Erfahrungen fremd sein lassen

 

Ich habe eigentlich gelernt, dass man bei dem Versuch, ein Kunstwerk zu verstehen, die eigenen Voraussetzungen zunächst ausblenden und sich fragen muss, in was für ein unbekanntes Terrain man beim Lesen eintaucht. Vergleiche aus eigenem Vorwissen sind nicht hilfreich, warum liest man überhaupt? Um fremde Erfahrungen zu machen. Um Fremdes in sich hinein zu lassen, um das eigene Denken, die eigene Perspektive als begrenzte Orte zu verlassen und sich zu riskieren. Indigenes Denken, wie Georgi eigentlich selber voraussetzte, ist substanziell „anders“. Momadays Buch von innen zu verstehen, aus seinem unbekannten und für weiße Leser vielleicht unzugänglichem Selbstanspruch zu erfassen – das hatte ich von Brigitte Georgi erwartet – und jetzt?

 

Im Wesentlichen reduziert sie Abels schmerzlichen, fragmentierten Lebenslauf auf den klassischen Dreiklang der auch für andere Kulturen geltenden „Quest“, nämlich: Aufbruch in ein Risiko - drohendes Scheitern – schließlich Sieg und Ankommen bei sich selbst. Dieses Erringen einer Lebensharmonie lässt sich de facto kaum einer realen indigenen Biografie zuordnen, denn die indigenen Völker sind bis an den Rand der Vernichtung getrieben worden, bei einer solchen Zerrissenheit ist auch persönliche Harmonie kaum noch zu erreichen. Mir ist nicht wirklich klar geworden, wie Brigitte Georgi den Dreiklang auf Abels Leben anwendet – was für ein Aufbruch stünde da am Anfang? Als er (noch bevor die Romanhandlung begonnen hat) in den  Krieg zieht? Oder als er völlig aus der Bahn geworfen zurückkehrt? Die klassische indigene „Vision Quest“ besteht darin, dass ein Mann sich aus eigenem Antrieb riskiert, etwa bei den Lakota durch Rückzug auf einen Berggipfel, wo er nackt und ohne Nahrung tage- und nächtelang ausharrt in der durchaus nicht immer erfüllten Hoffnung auf eine Vision, die ihm den Lebensweg vorzeichnet. Von diesen Dingen kann bei Momadays Abel keine Rede sein.

 

Die Autorin reduziert Momadays Roman auf ein abstraktes, praktisch universell geltendes  literarisches Muster, statt die im Roman übermittelte konkrete Realität in Betracht zu ziehen: Wie kommt ein durch die sinnlose Gewalt des Krieges ramponierter Mensch mit seinem Leben zurecht? Hat er eine Chance, psychisch und physisch zu regenerieren? Abel hat sie nur in Ansätzen, und mit dem aus zweifelhaften christlichen und traditionellen indigenen Vorstellungen gemischten Santiago-Fest werden ihm auch diese Ansätze entzogen: Er erlebt erneut Gewalt, als der Albino ihm den Hahn ins Gesicht schlägt und ihn später in der Dunkelheit, an eine Schlange erinnernd, umklammern will – durch den Mord an dem unheimlichen Mann wird Abel erneut aus seinem Leben katapultiert.

 

Dass die Autorin unangemessene Maßstäbe weißer Literaturwissenschaft ansetzt, wird schon aus Details ersichtlich. Da ist die Rede von Franciscos erfolgreicher Bärenjagd, die den Bär in traditioneller indigener Auffassung als gleichwertiges Wesen voraussetzt – Georgi bezieht das nicht auf ein indigenes Basisverständnis vom Leben, sondern auf eine ähnliche Perspektive bei Hemingway (S. 251). Dem Beispiel ließen sich etliche weitere anfügen. 

 

Ist Abels Laufen Ende oder Neubeginn?

 

Bei einem inhaltlich zentralen, dramaturgisch weithin latenten Komplex geht es um das Motiv des Laufens. Georgi spricht von Abels „Initiierung“, als Großvater Francisco ihn mit dem „Race of the Dead“ bekannt macht, dem Erinnerungslauf der Toten, bei dem es sich auch um die Dawn Runners handeln könnte. Wieso entspricht das einer Initiierung? Es hätte eine Basis für Abels Nachhausekommen sein können, wenn sein Leben nicht in Bruchstücke zerfallen wäre.

 

Georgi macht bei Francisco, der sterbend einem Dawn Runner entgegen zu laufen glaubt,  auf die Verwendung von Momadays Verben aufmerksam, die aus dem Atmen des Sterbenden eine Laufbewegung suggerieren würden (das kann man in der Realität bei vielen Sterbenden ganz ohne Symbolik so sehen). Georgi ist nicht der Ansicht, dass es sich bei Abels Lauf um ein Todesmotiv handle. Sie sieht vielmehr einen Neubeginn - nicht ganz von der Hand zu weisen, denn Momaday hat das Laufmotiv bewusst ambivalent gesehen. Aber bei der Auffassung des Neubeginns  bezieht sie sich zugleich auf Tosamahs Peyote-Predigt, in der der Beginn der Welt aus tonloser Stille definiert wird, als eine Stille, aus der ein einziger Ton als Weltbeginn entstanden sei (dass dies aus dem Mund des notorischen Schwätzers Tosamah kommt, entspringt Momadays subtilem Sinn für Ironie). Franciscos Tod jedoch sei insofern Neubeginn, weil Abel vor Morgengrauen eben durch die Stille geweckt werde: Tote machen nun mal keine Geräusche mehr, der Schrecken kann einen Lebenden durchaus aus dem Schlaf reißen. Aber Georgi steckt dieses wie so viele andere Details einer sinnlich erfahrbaren  Realität in ein abstraktes bedeutungsschwangeres Korsett.

 

Tatsächlich ist Franciscos Tod als Auslöser von Abels Befreiungs-/ oder Todeslauf hoch komplex – aber in dieser Passage die Stille des Todes als Stille des Weltanfangs? Ich sehe darin vielmehr den Schnittpunkt zweier Lebensläufe als eine Art spiritueller Kreisfigur, ähnlich den Reifen-Überschneidungen bei Hoop-Tänzern. Ausgehend vom Motiv der Lautlosigkeit lässt sich natürlich auch die Tosamah-Predigt einbeziehen – dann gäbe es außer dem vollendeten Leben Franciscos nicht nur das neu beginnende/endende Leben Abels, sondern übergreifend auch den nun wirklich fernen Weltbeginn, und es würden sich hier drei Kreise überschneiden.

 

Man muss Georgi zugutehalten, dass sie eine aufschlussreiche Selbstaussage Momadays aus einem Interview zitiert: „The book itself is a race. It focuses upon the race, that’s the thing that does hold it together. But it’s a constant repetition of things too.” Aber das würde sich auf alle Personen in dem Buch beziehen und auf menschliches Leben generell. An leider nur einer Stelle ist Georgis Schlussfolgerung faszinierend: Momaday habe den Lauf, ein traditionelles indigenes Element, bewusst als Vorwärtsbewegung konzipiert und damit der Tradition die Zukunftsfähigkeit bescheinigt. Mit dieser Erkenntnis vollzieht sie ein Element indigenen Denkens: Sie schließt einen Kreis, eine Denkbewegung, die man sonst in ihrem Buch vermisst, denn sie seziert es nach den gegensätzlichen Begriffen Tradition und Moderne. Gerade diese Begriffe entsprechen einem linearen weißen Denken und setzen eine ständige  Vorwärtsbewegung voraus, einen Fortschritt, der die Tradition hinter sich lässt. Für klassisches indigenes Denken ist aber „Tradition“ nichts, was man überwindet, sondern die sich erneuernde Realität des Lebens – und „Moderne“ ihr unheilbarer Bruch. Dass sie Momadays Denken der Tradition und seinen literarischen Stil der Moderne zuordnet, verzerrt den Blick auf ihn, sie benutzt damit ein Werkzeug, mit dem sie Zusammenhänge zerschneidet.

 

Das Motiv des Laufens, das auch an den Lauf des Wassers erinnert und überhaupt Sinnbild des Lebens ist, führt sie bei Momaday auf die Ursprünge in den Paulusbriefen zurück. Sie zitiert John Milton und Wordsworth und rückt Momadays „Formen der Nachahmung“ mündlich überlieferter indigener Tradition in die Nähe abendländischer Tradition – es ist unerfindlich, welche Erkenntnis für den Roman daraus resultieren soll. Ganz zu schweigen von der Auffassung, es handle sich bei Zitaten mündlich überlieferter indigener Texte um „Nachahmung“ – im Gegenteil, es geht vielmehr um die Kraft einer erneuerten Gegenwart.

 

Die Sinnlichkeit des Lebens - ein Problem für Wissenschaftler?

 

Das ständige Abstraktionsbedürfnis der Autorin lässt auch die Rezeption der vielfältigen sinnlichen Realität des Romangeschehens völlig beiseite. Man fragt sich nach ihrer  psychologischen Wahrnehmungs- und Empathiefähigkeit, wenn sie die Szene analysiert, in der sich der halbtot geschlagene Abel nachts am kalten Ufer mit fragmentarischen Bildern partiell aus der Bewusstlosigkeit zurückkämpft. Georgi:  So „fungiert der Nebel … als ein Symbol der Realitätsverschleierung, während die Bilder des Mondes, des Meeres und der Fische jeweils auf mehrdeutige Weise auf die Einseitigkeit seines Sehens, auf seine emotionale Leere und seine Hilflosigkeit hinweisen.“ Ja, wie hilflos ist man wohl in so einer Lage?

 

Abel sei das Muster einer auch europäischen Heldenerzählung, heißt es, und Momadays Zivilisationskritik entspringe einem „neokonservativen Widerstand gegen Uniformierungs- und Nivellierungstendenzen“, während seine „literarischen Wurzeln in der Moderne liegen“. Ich kann keinen Helden entdecken, keine einzige Figur hat hier Heldencharakter, schon gar nicht der mehrfach aus seinem Leben geschleuderte Abel, dessen Namen sie in die Nähe der Bibel rückt. Dass der Lauf als „Individuationsprozess Abels … den Charakter einer religiösen Bekehrung und eines Rituals hat, steht außer Zweifel, aber dass er damit ein „eskapistisches“ Ende gewählt habe, entspringt geradezu hilflosem weißem Unverständnis. Und man kann nur den Kopf schütteln, wenn die Autorin sich schließlich die Frage stellt, ob „der Lauf Abels den Neubeginn der Reise anzeigt oder aber die unabwendbare Rückkehr in den hohlen Baumstumpf aus dem Kiowa-Mythos …“ Es scheint ihr fremd zu sein, dass der Mythos nichts „Überwundenes“ ist, sondern sinnstiftende Gegenwart – das Bild des hohlen Baumstumpfs, den die Kiowas zu Beginn ihrer Geschichte verließen,  signalisiert ihren Aufbruch aus einer lebensfeindlichen Situation hin zu ihrem Aufblühen an anderem Ort und bleibt als kulturelle Leistung Teil ihres Selbstverständnisses.

 

Jedoch das „modernistische Kunstverständnis Momadays bestehe darin, dass „die Begriffe der Vergänglichkeit und des Todes ständig präsent sind… ist der Tod etwas Modernes? Haben Tod und Vergänglichkeit zuvor keine literarische Rolle gespielt? Vielleicht muss man Momadays Buch dennoch unter die abenteuerliche Kategorie „Romantischen Realismus“ einordnen? Und so richtig „weiß“ wird es bei einem Moralbegriff: „Der Begriff der Moral im Sinne eines grundsätzlichen humanen Wertes… gilt hier als eine dem Kulturmenschen eigene Kraft des Widerstandes gegen die Kräfte der Entfremdung und Fragmentation.“ (S. 266) Wen meint sie mit „Kulturmensch“? Leute wie die Lakota, die dem Indianermörder General Custer am Little Big Horn die tödliche Niederlage zufügten? Oder die weißen Kulturmenschen bei der Ausrottung indigener Völker?

 

Ich habe offenbar ein anderes Buch als Brigitte Georgi gelesen, ich habe ein Buch voll Farben, lebendigen Menschen, divergierenden religiös-spirituellen Praktiken, voll Verletzungen und Selbstbehauptungen gelesen. Ich habe Schnee und Eis, Regen und Sturm und den Lauf der Sonne überm Cañon gesehen und als einzige sympathische Figur Abels Freund Benally, der oberflächlich mit der weißen Zivilisation lebt, aber tiefer blickt und den zerrissenen Abel versteht. Und ich habe das Navajo-Lied der Heilung gelesen:

 

“Restore my Life for me“ – „Happily I recover - Happily may I walk…

May it be beautiful before me - May it be beautiful behind me…In beauty it is finished.”

 

Es kündet vom hoch entwickelten ästhetischen Bewusstsein indigener Menschen: Schönheit als Heilung, Schönheit als Harmoniezustand der Erde - vor mir, hinter mir, neben mir, der fühlende, sehende, atmende Mensch inmitten der Harmonie der Erde. Es war ein anderes Buch.

 

Georgi bleibt mit ihrer Analyse selbst bei der Haltung, die sie der weißen Zivilisation als Defizit vorwirft: bei der Unfähigkeit, die eigene Perspektive zu wechseln und das Fremde von innen wahrzunehmen. Ihr Buch ist geradezu ein Symptom für die Miss-Handlung weißer Wissenschaft hinsichtlich indigener Mentalität. Indigene haben immer wieder die traumatisierende Erfahrung gemacht, dass weiße Wissenschaftler ihren „Forschungsgegenstand“ (was für ein entlarvendes Wort) nicht verstanden, sondern ohne jeden Respekt seziert und zerstört haben. Die wahrhaft zivilisatorische Kraft indigenen Denkens macht Hoffnung auf eine andere Zukunft.

 

Doch die austrocknende Wirkung von Georgis Momaday-Rezeption weckt eine Distanz zu diesem Autor,  dessen eigene kulturelle Brüche er in „House Made of Dawn“ hoch artifiziell  behandelt hat. Wenn er laut Georgi den „Big Bluff Tosamah“ als seine Lieblingsfigur bezeichnet, fragt man sich: wieso. Weil der predigende Schwätzer ein Janus ist, eine Tricksterfigur, die alles durchschaut, nichts in sich selbst hinein lässt und auf diese Weise die vielfältigen Aspekte des Romans in sich vereint? Die auch moralische Gebrochenheit dieser Figur, die dem Evangelisten Johannes den Vorwurf der Geschwätzigkeit macht und selber nicht aufhört zu labern, lässt Zweifel aufkommen an Momadays persönlicher Familiengeschichte ebenso wie am Ursprungsmythos der Kiowas. Wenn ich einen Basismythos, wenn ich meine eigene Großmutter einer solchen Figur in den Mund lege – wo ist dann die Glaubwürdigkeit dieser Äußerungen? Ist dieser Bruch dann letztlich doch die Modernität Momadays? Und wie sollte man es dann einordnen, dass er eine indigene mythische Tiefe nie verlassen hat?

 

Ach ja – das kreisförmige indianische Denken, es ist halt nicht so einfach und nicht restlos durchschaubar, wenn man es als weißer Leser in sein Leben lässt.

 

 

Brigitte Georgi: „Der Indianer in der amerikanischen Literatur. Das weiße Rassenverständnis bis 1900 und die indianische Selbstdarstellung ab 1833. Versuch einer Gegenüberstellung“, Pahl-Rugenstein Hochschulschriften 112, Köln 1982, 159 S., ISBN 3-7609-5112-0

 

Brigitte Georgi-Findlay: „Tradition und Moderne in der zeitgenössischen indianischen Literatur der USA. N. Scott Momadays Roman ‚House Made of Dawn‘“, Pahl-Rugenstein Hochschulschriften 219, Köln 1986, 352 S., ISBN 3-7609-5219-4

 

18. Januar 2026     Copyright Christel Heybrock

 

 

Parched by the Mentality of White Science

 

An Analysis of N. Scott Momaday’s *House Made of Dawn* by Americanist Brigitte Georgi

 

*House Made of Dawn*—perhaps the most difficult, most complex Native American novel of all. I read it three times, took notes in both German and English... and yes, in the end, I had grasped something of it. Sometimes, however, one wishes to open oneself to a perspective other than one’s own: enter the study by Americanist Brigitte Georgi—though now it appears as if I had read a completely different book than she did.

 

To begin with: her engagement with Momaday was preceded in 1982 by the publication *Der Indianer in der amerikanischen Literatur* (The Native American in American Literature)—a knowledgeable study of two cultures coexisting on U.S. soil. White civilization, she argues, never bothered to view the older Native American culture with interest, let alone understanding or acceptance. It was easier and more profitable to exterminate the Native Americans. Consequently, Brigitte Georgi concludes that white America was—and remains till today—incapable of shifting its perspective and embracing other ways of thinking.

 

Those who were nearly exterminated, on the other hand—and Georgi rightly identifies this as a fundamental achievement—have not only attempted to accept and appropriate something entirely alien to them (often under brutal coercion, but also through their own realization); they are also in the process of transcending that experience and rediscovering their own identity: "Yet the fact that he"—the Native American—"was able not only to accept the values of white culture during the process of assimilation but also to preserve his own spiritual heritage bears witness to the immense strength inherent in Native American culture. The Native American has survived not only physically but also psychologically." (p. 123)

 

The author—possessing extensive knowledge of Indigenous literature ranging from oral tradition to poetry and fiction—had already addressed Momaday in an earlier publication; she evidently saw the potential for a more detailed analysis in the 1986 title *Tradition und Moderne in der zeitgenössischen indianischen Literatur der USA* [Tradition and Modernity in Contemporary Native American Literature of the USA], the main section of which focuses on "N. Scott Momaday’s novel *House Made of Dawn*."

 

Naturally, given the publication dates of these works, they do not reflect the growing literary output of Native American authors in the 21st century; yet *House Made of Dawn* remains a challenging read today. From my own perspective, I find it somewhat disconcerting that Brigitte Georgi does not classify Momaday’s novel as an authentically Native American work, but rather views it consistently within the context of white literary history—a history that, in Georgi’s account, spans from antiquity and the Pauline Epistles to George Orwell and Ernest Hemingway. Momaday was undoubtedly one of those rare, universally educated individuals with a profound understanding of the white mindset and cultural history—aspects of which are woven into *House Made of Dawn*. Yet Momaday remains rooted in a Native American worldview, thereby possessing ways of understanding that differ from those of the white tradition. What can the Pauline Epistles possibly convey to a reader of Momaday? What business does white literary scholarship have, in principle, analyzing an Indigenous novel?

 

Allowing alien reading experiences to remain alien

 

 I have learned that when attempting to understand a work of art, one must first set aside one’s own preconceptions and ask what kind of unfamiliar terrain one is entering through the act of reading. Comparisons drawn from one’s own prior knowledge are unhelpful; after all, why do we read? To encounter experiences unlike our own. To let the unfamiliar in, to step outside the confines of our own thinking and perspectives, and to take a risk on the unknown. Indigenous thought—as Georgi herself actually presupposed—is fundamentally "different." To understand Momaday’s book from within, to grasp it based on its own terms—terms that are unfamiliar and perhaps inaccessible to white readers—that is what I had expected from Brigitte Georgi. And now?

 

In essence, she reduces Abel’s painful, fragmented life story to the classic three-part structure of the "quest"—a pattern applicable to other cultures as well: setting out into risk, the threat of failure, and finally, triumph and arriving at a sense of self. In reality, this achievement of life harmony can scarcely be attributed to any actual Indigenous biography; Indigenous peoples have been driven to the brink of annihilation, and amidst such profound fragmentation, personal harmony is hardly attainable. It never became truly clear to me how Brigitte Georgi applies this three-part structure to Abel’s life—what sort of "setting out" would mark the beginning? When he goes off to war (even before the novel’s plot begins)? Or when he returns, completely derailed? The classic Indigenous "vision quest" consists of a man driven to risk himself by a specific impulse—such as the Lakota practice of retreating to a mountain peak to endure days and nights naked and without food, hoping (though not always successfully) for a vision to chart their life’s path. Nothing of the sort applies to Momaday’s Abel.

 

The author reduces Momaday’s novel to an abstract literary pattern of near-universal applicability, rather than considering the concrete reality conveyed within the work: How does a man, battered by the senseless violence of war, cope with his life? Does he stand a chance of psychological and physical recovery? Abel possesses only the faintest glimmer of such a chance, and even that is stripped away by the Santiago festival—an event blending dubious Christian concepts with traditional Indigenous beliefs. He encounters violence once more when the albino strikes him in the face with a rooster and later, in the darkness, attempts to grapple with him in a manner reminiscent of a snake; the murder of this sinister figure catapults Abel out of his life all over again.

 

The author’s application of inappropriate standards derived from white literary scholarship is evident in specific details. Take, for instance, the discussion of Francisco’s successful bear hunt—an act that, in the traditional Indigenous view, presupposes the bear as an equal being. Georgi, however, relates this not to an Indigenous fundamental understanding of life, but rather to a similar perspective found in Hemingway (p. 251). Numerous other examples could be cited.

 

Does Abel’s running signify an end or a new beginning?

 

One thematically central—yet narratively largely latent—element concerns the motif of running. Georgi speaks of Abel’s “initiation” when his grandfather Francisco introduces him to the “Race of the Dead”—a commemorative run for the deceased that may also be identified with the Dawn Runners. In what sense does this constitute an initiation? It could have served as a foundation for Abel’s homecoming, had his life not shattered into fragments. Georgi draws attention to Momaday’s use of verbs in the scene where Francisco—dying—believes he is running toward a Dawn Runner; she suggests these verbs imply a running motion arising from the dying man’s breathing (a phenomenon one can observe in reality with many dying people, entirely devoid of symbolism). Georgi does not view Abel’s run as a motif of death. Instead, she sees it as a fresh start—a perspective not easily dismissed, given that Momaday consciously viewed the running motif with ambivalence. Yet, in interpreting this as a fresh start, she simultaneously references Tosamah’s peyote sermon, which defines the world’s inception as emerging from soundless silence—a silence from which a single tone arose to begin the world (the fact that these words come from the notorious chatterbox Tosamah reflects Momaday’s subtle sense of irony). Francisco’s death, however, constitutes a fresh start in the sense that Abel is awakened by the silence just before dawn: the dead make no noise, after all, and the shock of that silence can certainly jolt a living person from sleep. Yet Georgi—as she does with so many other details of tangible, sensory reality—forces this into an abstract, heavy-laden conceptual framework.

 

In truth, Francisco’s death—as the catalyst for Abel’s run toward either liberation or death—is highly complex; but to equate the silence of death in this passage with the silence of the world’s beginning? I see it rather as the intersection of two life paths forming a kind of spiritual circular figure, akin to the overlapping hoops of a hoop dancer. Starting from the motif of silence, one can certainly incorporate Tosamah’s sermon—in which case, alongside Francisco’s completed life and Abel’s life (simultaneously beginning and ending), we would also have the truly distant origin of the world, creating an intersection of three circles.

 

Georgi deserves credit for quoting an illuminating statement Momaday made in an interview: “The book itself is a race. It focuses upon the race, that’s the thing that does hold it together. But it’s a constant repetition of things too.” Yet this would apply to all the characters in the book and to human life in general. In—regrettably—only one instance, Georgi’s conclusion is fascinating: that Momaday consciously conceived the run—a traditional Indigenous element—as forward motion, thereby affirming the tradition’s capacity for a future. With this insight, she enacts an element of Indigenous thought: she closes a circle—a movement of thought otherwise missing from her book, which tends to dissect the work according to the opposing concepts of tradition and modernity. These very concepts align with linear, white modes of thinking and presuppose constant forward motion—a form of progress that leaves tradition behind. For classical Indigenous thought, however, “tradition” is not something to be overcome, but rather the self-renewing reality of life—and “modernity” is an irreconcilable rift. Categorizing Momaday’s thought as traditional and his literary style as modernist distorts the view of him; in doing so, she employs a tool that severs connections rather than revealing them.

 

She traces the motif of running—which evokes the flow of water and serves as a general symbol of life—back to origins found in the Pauline Epistles. Citing John Milton and Wordsworth, she aligns Momaday’s "forms of mimesis" regarding orally transmitted Indigenous traditions with Western traditions—though it remains unclear what insight regarding the novel is supposed to be gained from this. Not to mention the notion that quoting orally transmitted Indigenous texts constitutes "imitation"—on the contrary, the focus is actually on the power of a renewed present.

 

The Sensuality of Life—A Problem for Scholars?

 

The author’s constant urge to abstract also causes her to completely overlook the reception of the novel’s rich, sensory reality. One questions her capacity for psychological perception and empathy when she analyzes the scene in which Abel—beaten nearly to death—struggles to emerge from unconsciousness on a cold shore at night, aided by fragmentary images. Georgi writes: "Thus, the fog... functions as a symbol of the obscuring of reality, while the images of the moon, the sea, and the fish point—in ambiguous ways—to the one-sidedness of his vision, his emotional emptiness, and his helplessness." Indeed—just how helpless *is* one in a situation like that?

 

Abel is said to embody the archetype of a heroic narrative—including the European variety—and Momaday’s critique of civilization is described as stemming from a "neoconservative resistance to tendencies toward standardization and leveling," even as his "literary roots lie in modernism." I cannot detect a hero; not a single figure here possesses a heroic character—certainly not Abel, who is repeatedly cast out of his own life, and whose name links him to the Bible. There is no doubt that the run constitutes "Abel’s process of individuation... taking on the character of a religious conversion and a ritual"; yet the claim that he thereby chose an "escapist" ending stems from a positively helpless, "white" lack of understanding. One can only shake one’s head when the author finally asks whether "Abel’s run signals the start of a new journey or, conversely, the inevitable return to the hollow tree stump from the Kiowa myth..." She seems unable to grasp that myth is not something "surmounted" but a meaning-giving presence: the image of the hollow tree stump—which the Kiowa left at the dawn of their history—signals their departure from a hostile environment toward their flourishing elsewhere, and remains part of their self-conception as a cultural achievement.

 

However, the claim that Momaday’s "modernist understanding of art" lies in the fact that "concepts of transience and death are constantly present"... is death something modern? Did death and transience play no literary role before? Perhaps Momaday’s book must, after all, be filed under the adventurous category of "Romantic Realism"? And the perspective becomes truly "white" when it comes to the concept of morality: "The concept of morality, in the sense of a fundamental human value... is regarded here as a power of resistance—inherent to the 'cultured human'—against the forces of alienation and fragmentation" (p. 266). Whom does she mean by "cultured human"? People like the Lakota, who inflicted a fatal defeat upon the Indian-killer General Custer at Little Bighorn? Or the white "cultured humans" involved in the extermination of indigenous peoples?

 

I evidently read a different book than Brigitte Georgi; I read a book filled with colors, vivid people, and divergent religious-spiritual practices—filled with wounds and assertions of self. I witnessed snow and ice, rain and storm, and the sun’s path across the canyon; I encountered Abel’s friend Benally—the only truly likable character—who lives superficially within white civilization yet sees more deeply and understands the torn Abel. And I read the Navajo song of healing:

 

Restore my Life for me” – “Happily I recover - Happily may I walk…

May it be beautiful before me - May it be beautiful behind me…In beauty it is finished.”

 

It speaks to the highly developed aesthetic consciousness of Indigenous peoples: beauty as healing, beauty as a state of harmony with the earth—before me, behind me, beside me; the feeling, seeing, breathing human being amidst the harmony of the earth. It was a different book.

 

In her analysis, Georgi herself remains stuck in the very attitude she criticizes as a shortcoming of white civilization: the inability to shift one’s own perspective and perceive the "other" from within. Her book is, in fact, a symptom of the way white scholarship mis-handles Indigenous mentality. They have repeatedly had the traumatic experience of white scientists failing to understand their “object of research” (what a revealing term that is), instead dissecting and destroying it without a shred of respect. The truly civilizing power of Indigenous thought offers hope for a different future.

 

Yet the desiccating effect of Georgi’s interpretation of Momaday creates a sense of distance from the author—an author who treated his own cultural ruptures with a high degree of artifice in *House Made of Dawn*. When, according to Georgi, he identifies “Big Bluff Tosamah” as his favorite character, one wonders: why? Is it because this preaching windbag is a Janus-like figure—a trickster who sees through everything yet lets nothing in, thereby embodying the novel’s multifaceted nature? The character’s moral contradictions—accusing John the Evangelist of verbosity while never ceasing his own incessant chatter—cast doubt on both Momaday’s personal family history and the Kiowa origin myth. If I put a foundational myth—or my own grandmother—into the mouth of such a character, where does the credibility of those statements lie? Is this rupture, ultimately, the essence of Momaday’s modernity? And how, then, should we reconcile this with the fact that he never abandoned that deep Indigenous mythic resonance?

 

Ah, yes—that circular Native American way of thinking: it is simply not that straightforward, nor is it entirely transparent, when a white reader invites it into their life.

 

 

Brigitte Georgi: "The Indian in American Literature: White Racial Concepts up to 1900 and Native American Self-Representation from 1833 Onward—A Comparative Study," Pahl-Rugenstein Hochschulschriften 112, Cologne 1982, 159 pp., ISBN 3-7609-5112-0

 

Brigitte Georgi-Findlay: "Tradition and Modernity in Contemporary Native American Literature of the USA: N. Scott Momaday’s Novel *House Made of Dawn*," Pahl-Rugenstein Hochschulschriften 219, Cologne 1986, 352 pp., ISBN 3-7609-5219-4

 

January 18, 2026             Copyright Christel Heybrock

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