Der Fluss verbindet Vergangenheit und Zukunft

 

 

Louise Erdrichs Roman „The Mighty Red”

 

Deutsch von Gesine Schröder “So war die Welt“

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Es ist eine Unsitte deutscher Verlage, englischsprachige Titel einzudeutschen. Kann sich jemand unter dem Buchtitel „So war die Welt“ irgendetwas vorstellen außer einer Nebelwolke? Der Satz macht erst Sinn, wenn man Louise Erdrichs jüngsten Roman „The Mighty Red“ gelesen hat – es ist ausgerechnet der letzte Satz, den der Verlag zum Titel machte.

 

„The Mighty Red“ ist eine weitere Auseinandersetzung der Autorin mit Geschichte und Gegenwart, Landschaft und Menschen Nordamerikas und speziell der USA. Überblickt man ihr umfangreiches und noch immer wachsendes Lebenswerk, dann schreibt sie nichts weniger als die Comédie Humaine des kolonisierten Kontinents mit all seinen verdrängten Schrecken, seinem manischen Vorwärtsdrang und den teils mutigen, teils verzweifelnden Menschen, die sich damit arrangieren müssen. „The Mighty Red“ – das ist im Buch ein kurz mal erwähnter Fußballclub, vor allem aber der Red River of the North, der „Nil des Nordens“, der im Süden entspringt und nach Norden fließt, im Frühjahr nach der Eisschmelze über die Ufer tritt und sonst eher breit und gemächlich dahinfließt.

 

Der Fluss ist die Klammer, die alles zusammenhält, und ein Blick auf die dramaturgische Struktur lässt das Buch selbst wie einen mäandernden Fluss erscheinen: Da gibt es ein dramatisches Ereignis, das bereits vor Beginn des Erzähltextes stattgefunden hat und punktuell immer wieder in der Handlung aufblitzt, ohne dass der Leser anfangs weiß, worum es geht. Dieses ebenso unklare wie präsente Ereignis, das nur in behutsamen Schritten, in vollem Ausmaß erst gegen Ende enthüllt wird, ist verwoben mit einem ganz anderen Handlungsstrang oder mehreren anderen Strängen, die sehr langsam einer Konfliktlösung entgegen gehen. Die Autorin breitet das alles vorm Leser aus in vielen kurzen, mitunter nur eine Seite langen Kapiteln, die in fünf größeren Teilen angeordnet sind – eine zunächst stabile Struktur, die gegen Ende allmählich zerfällt bis hin zu dem Satz „This was the world.“

 

Das Buch spielt in North Dakota im Red River Valley in ländlicher, vom Zuckerrübenanbau geprägter Gegend (mitunter ist die Rede von Fargo), es spielt zwischen weißen Farmerfamilien und deren indigenen oder halbindigenen Mitarbeitern, wobei es nicht dieser Gegensatz ist, der zum Konflikt führt. Es ist vielmehr das ungebremste Verhalten des Farmersohns Gary, der nach einer ausschweifenden Party seine Freunde und sich selbst in Lebensgefahr, in zwei Fällen sogar in den Tod geführt hat. Nun könnte sich so ein Vorfall überall ereignen, aber wie Louise Erdrich ihn unterfüttert mit der noch sehr deutlich vorhandenen, indigenen Lebensperspektive von Garys Mitmenschen – mit einem unausgesprochenen, aber stabilen Anderssein, das sich als sanfte Heilkraft erweist – das ist ebenso unaufwändig wie insistierend geschildert.

Sorge um eines Mannes bestes Stück

 

Louise Erdrich ist eine souveräne Menschenkennerin und Beobachterin, es gibt keine Klischeefiguren bei ihr, wohl aber Menschen, die auf den Punkt gebracht werden, und dies durchaus mit subtiler Ironie. Man nimmt das eher im englischsprachigen Originaltext wahr als in der Übersetzung, die man mitunter wohl etwas zu distanzlos rezipiert. Diese Ironie führt beispielsweise zur mild karikaturistischen Beschreibung der Damen von Winnies Buchclub, in dem eher lokale Klatschgeschichten als Bücher analysiert werden. Wobei Winnie selber nicht ausgespart bleibt, wie sie ihre lackierten Fußnägel in den Teppichflor gräbt, lackiert in just der Farbe, in der sie ihr Haus anstreichen möchte, was zu ewigem Kampf mit Ehemann Diz führt, der kann die Farbe nicht leiden.

 

Aber – und das ist nur ein winziges Detail von Louise Erdrichs erzählerischer Webkunst, Diz ist eine Seele von Ehemann, der die stets etwas verkrampfte Winnie versöhnlich umarmt. Was wiederum nicht viel nützt, denn es gibt noch ein größeres Streitpotential, nämlich die unglaublichen Mengen an Pestiziden, die für den Rübenanbau aufs Feld gebracht werden: Winnie ist dagegen, sie stammt aus einer Farmerfamilie, die ohne Gift auskam, was seinerzeit ihren autoritären zukünftigen Schwiegervater nicht hinderte, ihre Familie in den Bankrott zu treiben und sich das Anwesen unter den Nagel zu reißen. Ausgerechnet der warmherzige Diz will nicht auf Round-up verzichten, er ist völlig abhängig vom Saatguthersteller und einem einengenden Vertrag. Auch in diesem Zusammenhang ist Louise Erdrichs Ironiepotential aufs feinste ins Erzählnetz gewoben, denn Winnie versucht Diz mit dem Hinweis auf hormonelle Schäden und die mögliche Schrumpfung seines Penis umzustimmen. Leider hört auch Sohn Gary diese Argumente, er arbeitet auf dem Feld beim Aufbringen der Giftsubstanz mit und muss doch mal prüfen, ob sein Penis …Ist schwer zu erkennen so von oben, er nimmt das Handy zu Hilfe und kann alles rundherum dokumentieren. Doch irgendwann fummelt sein Freund Knieval auf dem Handy herum und kräht entsetzt in die Schulklasse, Gary sei schwul, worauf der „ihm eine zimmert“…

 

Doch zurück von den Details, die dieses Buch auf jeder Seite zu stillem Leuchten bringen. Es geht ja um viel Größeres, nämlich eine verpatzte Liebes- und Ehegeschichte, das heißt, um keines von beiden, aber es ist der Haupthandlungsstrang, denn Gary ist nach dem Schock der von ihm verursachten Katastrophe mental heilungsbedürftig und sucht Halt bei Kismet. Die junge Außenseiterin, Ojibwe, Goth-Girl, die schon mal von der Schule nachhause geschickt wird, weil sie außer schwarzen und violetten Klamotten in einem dem Müll entnommenen T-shirt mit aufgedruckten blanken Nippeln auftaucht, hat für Gary „etwas Magisches“, nämlich indigene Resilienz und Unabhängigkeit. In einer Zeitschleife, die im Jahr der Katastrophe 2007 noch außerhalb des  Erzähltextes ansetzt und über 2008 und 2009, den Jahren von Garys und Kismets Ehe und Trennung über 2012 schließlich bis 2024 verläuft, ereignen sich nicht nur Bindungen, Lösungen und neue Bindungen, sondern auch das Desaster des Zuckerrübenanbaus. Diz bekommt durch die Pestizide einen Handtremor, der Boden wird staubtrocken und steril, doch schließlich erweist sich das verzweifelt bekämpfte “Unkraut“, die potentielle Nutzpflanze Amaranth, als resistent und vitaler denn je. Louise Erdrich titelt diesen Zustand in heimtückischer Ironie als „Evolution 2023“. Aber statt dass die Farmer endlich umdenken, greifen sie in „Evolution 2024“ zum nächsten Hightech-Irrsinn und lassen rupfende Roboter an die Unkrautfront.

 Die Sache mit dem Puma

 

Symptomatisch für das feine Gewebe verschlungener Zeitabläufe und ineinander verhakter und auseinanderstrebender Menschen ist bereits das allererste kurze Kapitel. In “Nächtliche Fahrt“ 2008 befindet sich Crystal, Kismets Mutter, auf der Fahrt zum Rübenfeld, wo sie eine Fuhre aufnehmen und zur Zuckerfabrik fahren soll, das ist ihr Job, mit dem sie Tochter und sich selbst ernährt – Crystals indigener Lebensgefährte Martin, Michif wie sie selbst und leicht extravaganter Theaterpädagoge, muss wohl für sich selbst sorgen. (Dass der Höhepunkt seiner Schauspielkarriere mit einer perfekten Hypothekenfälschung und ebensolchen Banküberfällen verbunden ist und nicht nur der lokalen Kirchengemeinde, sondern auch Crystal eine Menge Geld einbringt, sei hier nur am Rande erwähnt.)

 

Bei Crystals Nachtfahrt nun huscht plötzlich ein Puma vor ihr über die Straße. Sonst passiert nichts. Aber für ein indigenes Bewusstsein passiert Grundlegendes, und entsprechend weit greift die Autorin in die Vergangenheit aus, als Jahrzehnte zuvor womöglich an der gleichen Stelle auch ein Puma auftauchte, aber vor Crystals Mutter, der Ojibwe-Indianerin Happy Frechette. Was für eine erstmal nur angedeutete, später fragmentarisch ausgearbeitete Geschichte! Happy war mit ihrem jungen weißen Lover unterwegs auf Schmuggeltour, brandgefährlich, in der Zeit der Alkohol-Prohibition. Bei einem Autounfall war der junge Mann, Crystals Noch-nicht-Vater, sofort tot. Doch Happy stieg unverletzt aus dem Auto und machte sich mit zwei Koffern voller Whiskey-Flaschen schleunigst aus dem Staub, um das Schmuggelgut zu Fuß an den Mann zu bringen. Sie war schwanger, es war Nacht, und da traf sie mit dem Puma zusammen, dem sie unerschrocken eine Flasche Whiskey opferte, das heißt, über die Birne zog, was das Tier nicht überlebte. Crystals Puma endlich könnte ein Omen sein, dass die Puma-People den Mord verziehen haben und nun alles gut wird. Für Crystal wird es das auch in dem Buch, nach etlichen Verschlingungen und Entwirrungen.

 

Aus der Puma-Geschichte, die im Grunde ein Introitus ist, erweist sich die Stabilität einer mentalen indigenen Achse, auf der sich Ereignisse unbeschadet zwischen Vergangenheit und Zukunft beschwören lassen, ohne ihre Bedeutung zu verlieren. Was die Besiedelung des Red River Valley durch Indigene und Jahrtausende später durch weiße Siedler betrifft, so verzichtet Louise Erdrich, Ojibwe mit deutschen Vorfahren,  auf die damit verbundenen mörderischen Konflikte, sondern sucht einfühlsam und mit zutiefst humaner Gesinnung nach Verwandtschaften und  Unverträglichkeiten auf anderer Ebene. Dass es mit Gary und Kismet, die den unreifen Draufgänger eher aus Versehen heiratet, nicht gut gehen kann, ist schnell klar. Aber im Gegensatz zu der seltsamen, von Garys Mutter Winnie energisch vorangetriebenen Ehe besteht eine tiefe, keineswegs nur spirituelle Verbindung zwischen Kismet und Hugo. Der rothaarige junge Schotte ist äußerlich ihr komplettes Gegenteil, mental aber von derselben unerschütterlichen Resilienz und Authentizität.

 

Hugo und Kismet leben bereits vor Kismets Heirat heimlich und eheähnlich zusammen, und erneut muss man Erdrichs Differenzierungskunst bewundern, mit der sie Gary und Hugo einander ignorieren lässt. Als Rivalen können sie gar nicht aneinander geraten, Gary nimmt Hugo schlicht als “Würmchen“ wahr, während Hugo die temporäre Existenz von Kismets Ehemann unterm Ansturm seiner Ideen einfach vergisst.

 

 Hugo, ein uralter Findling

 

Trotz der holprigen Heirat, trotz der Bindung Hugo-Kismet ist das Buch kein Liebesroman oder gar Liebesdrama, sondern spielt auf einer überpersonellen Ebene. Nein, Kismet heiratet Hugo nicht, nachdem sie Gary praktisch nach den Flitterwochen (die sie mit der Reinigung von Winnies vernachlässigtem Haushalt zubringt) verlässt. Sie heiratet Hugo überhaupt nicht, aber nach einer Phase der Entfernung finden sie durch ihr mentales Wurzelgeflecht wieder zusammen. Kismet bekommt sogar ein Kind – aber heiraten? Sie und Hugo finden so ein Papier eigentlich nur komisch. Sie sind durch überindividuelle, uralte Bedingungen untrennbar, was Hugo, den „Mudlogger“, der sich in jugendlichem Alter von der Ölindustrie als Bohrkernbegutachter engagieren lässt, in einer hinreißenden kurzen Passage einmal zu folgender Selbstdefinition veranlasst:

 

Er sei ein „bloc erratique“, ein von Eiszeitgletschern verschobener Findling. Das ist mein Herz…My heart propelled into place by a massive force and left here, a lonely erratic.” Die Tiefendimension wird zwar Ernst genommen, aber zugleich mit ironischen Pfefferkörnchen bestäubt, denn Hugo kommen die Tränen: „He felt they had pooled in his heart because of his being faced with so much meaning.” Und seine zentrale existenzielle Erkenntnis wird von der Autorin auch durch die Situation ihres Gewichts entledigt, in der Hugo sie getroffen hat. Denn er befindet sich als Aushilfe in der Bookery seiner Mutter, wo er die Damen des Buchclubs berät, und soeben kam Mary Sotovine herein, von der Übersetzung als „stämmige, muntere Putte“ bezeichnet, im Original als „large, frisky cherub“. Von Hugo nach ihren Wünschen befragt, quiekt sie beglückt, während “her curly mahogany brunette crown… wobbled by appreciation“.

 

Die Dichte von Erdrichs Erzählkunst wird beim ersten Lesen kaum bewusst. Ihre flotte, wenngleich aus einem unglaublichen Wortschatz schöpfende Sprache entwickelt einen Drive, der einen distanzlos immer weiter treibt. Für die Übersetzerin Gesine Schröder dürfte das Buch kein Sonntagsspaziergang gewesen sein, und man ist froh, dass sie sich die Arbeit gemacht hat, auch wenn man nicht immer ganz konform geht. Louise Erdrichs ausgereifte Meisterschaft verbindet die disparatesten Unvereinbarkeiten mit leichter Hand, etwa die vielen, manchmal wie mit einem Lächeln geschilderten Personen, von denen die meisten aber von den Auswirkungen des schrecklichen Unglücks betroffen sind. Garys Freund Jordan stürzte dabei in den messerscharfen Zaun an einer Uferböschung und verlor den Kopf.

 

Just dieses Detail führte die Autorin in einer gespenstischen Szene aus, in der Gary, der bei dem Unglück unverletzt überm Fluss in einem Ast hängen blieb, mit dem toten Jordan argumentiert, warum er ihm nicht herunter helfen wolle, und sich wundert, wieso Jordan manchmal seinen Kopf auf dem Knie hält. Rein faktisch kann Gary zu dem Zeitpunkt nicht wissend, dass sein Freund tot ist, aber der tote Jordan meldet sich auch im späteren Verlauf immer wieder. Zwischen solchen Tiefenszenen, der federleichten Ironie und letztlich intensiven Recherchen zum Zuckerrübenanbau, Pestiziden und der lokalen Flora und Fauna ist ein Roman aus einem Guss entstanden, den man als Erzählwerk, passagenweise aber auch wie eine Reportage liest. Es scheint nichts mehr zu geben, was Louise Erdrich nicht bewältigen könnte. Mittlerweile ist sie 71 und noch lange nicht am Ende.

Louise Erdrich: „The Mighty Red”, a novel, Harper Collins Publishers, New York 2024, 373 S., ISBN 978-0-06-327705-2

 

Louise Erdrich: “So war die Welt“, Roman, aus dem Amerikanischen von Gesine Schröder, Aufbau Verlag, Berlin 2025, 495 S., ISBN 978-3-351-04251-6

 

8. November 2025                 Copyright Christel Heybrock

 

 

The River Connects Past and Future

 

 Louise Erdrich’s Novel *The Mighty Red*

 German Translation by Gesine Schröder: *So war die Welt*

 

It is an unfortunate habit of German publishers to Germanize English-language titles. Can anyone conjure up any image in their mind upon hearing the book title *So war die Welt* (Such Was the World)—other than a cloud of mist? The phrase makes sense only once you have read Louise Erdrich’s latest novel, *The Mighty Red*—for it is, of all things, the very last sentence of the book that the publisher chose to use as its title

 

*The Mighty Red* represents yet another of the author’s engagements with the history and present day, the landscapes and peoples of North America—and specifically, of the United States. When surveying her extensive and still-growing body of work, one sees that she is writing nothing less than a *Comédie Humaine* of the colonized continent—complete with all its repressed horrors, its manic drive toward the future, and the people—some courageous, some despairing—who must find a way to come to terms with it all. *The Mighty Red*—within the book, this refers briefly to a football club mentioned in passing, but above all to the Red River of the North: the "Nile of the North," which rises in the south and flows northward—bursting its banks in the spring following the thaw, yet otherwise flowing along in a rather broad and leisurely manner.

 

The river serves as the unifying element that holds everything together; indeed, a glance at the novel’s narrative structure makes the book itself appear to flow like a meandering river. There is a dramatic event—one that has already taken place before the narrative even begins—which surfaces intermittently throughout the plot, though the reader remains initially unaware of its nature. This event—as enigmatic as it is omnipresent, and revealed only in cautious increments (its full scope becoming clear only toward the very end)—is interwoven with an entirely different storyline—or perhaps several other threads—that move very slowly toward a resolution of their own conflicts. The author lays all of this out before the reader in many short chapters—some spanning only a single page—arranged into five larger parts; it is a structure that initially appears stable but gradually disintegrates toward the end, culminating in the sentence: "This was the world."

 

 The book is set in North Dakota’s Red River Valley, in a rural landscape defined by sugar beet farming (with occasional references to Fargo). It unfolds amidst white farming families and their Indigenous or mixed-heritage employees—though it is not this dichotomy that ultimately sparks the conflict. Rather, the catalyst is the reckless behavior of Gary, the farmer’s son, who—following a wild party—endangered the lives of his friends and himself, leading to two fatalities. While such an incident could conceivably occur anywhere, the way Louise Erdrich grounds it in the still-vibrant Indigenous worldview of Gary’s community—an unspoken yet steadfast sense of "otherness" that proves to be a gentle, healing force—is depicted with a style that is at once understated and insistent.

 

Concern for a Man’s "Best Part"

 

Louise Erdrich is a consummate judge of character and observer; her work features no cliché figures, but rather people captured with pinpoint precision—and often with a healthy dose of subtle irony. One tends to perceive this more readily in the English original than in translation, where the tone can sometimes come across as perhaps a little too earnest or lacking in critical distance. This irony, for instance, manifests in the gently caricatured descriptions of the ladies in Winnie’s book club—a group that seems more inclined to dissect local gossip than actual books. Winnie herself is not spared from this scrutiny, particularly as she digs her painted toenails into the carpet pile—painted, as it happens, in the very shade she intends to paint her house, a choice that sparks an eternal battle with her husband, Diz, who simply loathes the color.

 

Yet—and this is but a tiny detail in the intricate narrative tapestry woven by Louise Erdrich—Diz is, at heart, a truly good-natured husband who embraces the perpetually tense Winnie with a spirit of reconciliation. This, however, proves of little avail, for a far greater source of conflict looms: the staggering quantities of pesticides being applied to the fields for beet cultivation. Winnie is vehemently opposed to this practice; she hails from a farming family that managed to thrive without the use of toxic chemicals—a fact that, back in the day, did nothing to stop her authoritarian future father-in-law from driving her family into bankruptcy and seizing their estate for himself. Ironically, it is the warm-hearted Diz who refuses to give up Roundup, having become utterly dependent on the seed manufacturer and bound by a restrictive contractual agreement. Here, too, Louise Erdrich’s ironic sensibility is woven with exquisite subtlety into the narrative fabric; Winnie attempts to sway Diz by warning him of potential hormonal damage—specifically, the possibility that his penis might shrink. Unfortunately, their son Gary also overhears these arguments; as he works in the fields applying the toxic chemicals, he feels compelled to check whether his own penis... Well, it’s rather difficult to get a good look from that angle, so he enlists the aid of his mobile phone—thereby managing to document the entire surrounding scene. But at some point, his friend Knieval starts messing around on his phone and crows in horror across the classroom that Gary is gay—whereupon Gary “clocks him one”...

 

But enough of the details—details that make this book glow with a quiet radiance on every single page. For the story is about something much larger: a botched romance and marriage—or rather, neither of those things exactly—yet it remains the central narrative thread; for Gary, reeling from the shock of the catastrophe he himself caused, is in need of mental healing and seeks solace in Kismet. This young outsider—Ojibwe, a Goth girl who occasionally gets sent home from school for showing up in an outfit consisting of nothing but black and purple clothes and a discarded T-shirt emblazoned with bare nipples—possesses “something magical” in Gary’s eyes: namely, indigenous resilience and independence. Within a narrative time loop—one that begins in 2007, the year of the catastrophe (initially situated just outside the main narrative text), and winds its way through 2008 and 2009 (the years of Gary and Kismet’s marriage and separation), past 2012, and finally up to 2024—we witness not only the formation, dissolution, and reformation of human bonds, but also the disaster of sugar beet farming. Diz develops a hand tremor due to pesticide exposure; the soil turns bone-dry and sterile; yet ultimately, the “weed” they fought so desperately—the potentially valuable crop known as amaranth—proves itself more resistant and vital than ever. With a touch of insidious irony, Louise Erdrich titles this state of affairs “Evolution 2023.” But instead of finally rethinking their approach, the farmers—in “Evolution 2024”—turn to the next piece of high-tech lunacy, deploying weeding robots to the front lines of the war on weeds.

 

The Matter of the Cougar

 

The very first short chapter serves as a microcosm of the intricate web of intertwined timelines—of human lives that are at once interlocked and diverging. In "Night Drive" (2008), Crystal—Kismet’s mother—is on her way to the beet field, where she is scheduled to pick up a load and transport it to the sugar factory; this is her job, the means by which she supports both herself and her daughter. Crystal’s Indigenous partner, Martin—a Michif like herself and a somewhat eccentric drama teacher—presumably has to fend for himself. (The fact that the pinnacle of his acting career involved the flawless forgery of a mortgage deed—and a series of equally flawless bank robberies—and that these exploits netted a considerable sum of money not only for the local church congregation but for Crystal as well, need only be mentioned here in passing.)

 

During this nocturnal drive of Crystal’s, a cougar suddenly darts across the road right in front of her. Nothing else happens. Yet, to an Indigenous consciousness, something of profound significance has occurred; accordingly, the author reaches far back into the past—to a time decades earlier when a cougar may well have appeared at this very same spot, though that time before Crystal’s mother, the Ojibwe woman Happy Frechette. What a story—initially merely hinted at, and later fleshed out in fragments! Happy was on the road with her young white lover on a smuggling run—a highly perilous undertaking—during the era of alcohol Prohibition. In any case, the young man—Crystal’s would-be father—was killed instantly during a car accident. Yet Happy emerged from the car unscathed and promptly made a hasty getaway with two suitcases full of whiskey bottles, intending to peddle the contraband on foot. She was pregnant; it was night; and that was when she crossed paths with the puma—to which she fearlessly offered a bottle of whiskey; or rather, with which she clobbered the beast over the head—an encounter the animal did not survive. Crystal’s puma, at long last, might well be an omen that the Puma People have forgiven the murder and that, from now on, all will be well. For Crystal, at least within the pages of the book, this indeed proves to be the case—after a good many twists and untanglings.

 

From this puma story—which serves, in essence, as a *prologue*—emerges the stability of a distinct indigenous mental axis: a plane upon which events can be conjured up, moving unblemished between past and future, without ever losing their significance. As for the settlement of the Red River Valley—first by indigenous peoples and, millennia later, by white settlers—Louise Erdrich (an Ojibwe woman with German ancestry) chooses to forgo the murderous conflicts typically associated with such history; instead, she searches—with great sensitivity and a profoundly humane spirit—for affinities and incompatibilities on an altogether different level. It quickly becomes clear that things cannot possibly end well between Kismet and Gary—the immature daredevil whom she marries more or less by accident. Yet, in stark contrast to that peculiar union—which Gary’s mother, Winnie, had so energetically orchestrated—there exists a deep connection between Kismet and Hugo: a bond that is by no means merely spiritual. Outwardly, the young, red-haired Scot is her complete opposite; yet mentally, he possesses the very same unwavering resilience and authenticity.

 

Even before Kismet’s wedding, she and Hugo are already living together secretly—in a domestic arrangement akin to marriage. Once again, one cannot help but admire Erdrich’s nuanced artistry—specifically, the subtle manner in which she portrays Gary and Hugo simply ignoring one another. As rivals, they cannot even truly clash; Gary simply perceives Hugo as a “little worm,” while Hugo, amidst the onslaught of his ideas, simply forgets the temporary existence of Kismet’s husband.

Hugo, an Ancient Erratic

 

Despite the rocky marriage—and despite the bond between Hugo and Kismet—this book is neither a romance novel nor, for that matter, a romantic drama; rather, it operates on a supra-personal plane. No, Kismet does not marry Hugo after leaving Gary practically right after their honeymoon (which she spends cleaning up Winnie’s neglected household). She does not marry Hugo at all; yet, after a period of estrangement, they find their way back to one another through their shared mental root system. Kismet even has a child—but marriage? She and Hugo find such a piece of paper, quite frankly, rather amusing. They are rendered inseparable by ancient, supra-individual forces—a reality that once prompted Hugo—the “mudlogger” who, as a youth, was hired by the oil industry to analyze drill cores—to offer the following self-definition in a delightful, brief passage:

 

He is, he feels, a *bloc erratique*—an erratic boulder displaced by Ice Age glaciers. “That is my heart… My heart propelled into place by a massive force and left here, a lonely erratic.” This dimension of profundity is indeed taken seriously, yet simultaneously dusted with ironic grains of pepper—for Hugo finds himself moved to tears: “He felt they had pooled in his heart because of his being faced with so much meaning.” Moreover, the author strips his central existential epiphany of its gravitas through the very situation in which Hugo experiences it. For he is working as a temporary assistant at his mother’s Bookery, advising the ladies of the book club, when Mary Sotovine enters—described in the translation as a “stämmige, muntere Putte,” and in the original as a “large, frisky cherub.” When Hugo inquires about her preferences, she squeals with delight, while “her curly mahogany brunette crown… wobbled by appreciation.” 

 

The density of Erdrich’s narrative artistry is scarcely apparent upon a first reading. Her brisk language—though drawing from an incredibly vast vocabulary—generates a momentum that propels the reader forward relentlessly, dissolving all sense of distance. For translator Gesine Schröder, this book was likely no Sunday stroll; one is grateful, however, that she undertook the task—even if one does not always find oneself in complete agreement with her choices. Louise Erdrich’s mature mastery effortlessly weaves together the most disparate incompatibilities—such as the many characters, sometimes portrayed with a smile, yet most of whom are nonetheless affected by the repercussions of a terrible tragedy. During the incident, Gary’s friend Jordan plunged into a razor-sharp fence on a riverbank embankment and was decapitated.

 

It is precisely this detail that the author explores in a spectral scene where Gary—who, having remained suspended in a tree branch above the river, emerged from the disaster unscathed—argues with the deceased Jordan as to why he cannot help him down, all the while wondering why Jordan occasionally cradles his head in his lap. Strictly speaking, Gary could not yet know at that moment that his friend was dead; yet the deceased Jordan continues to make his presence felt repeatedly throughout the remainder of the story. Between such scenes of profound depth, a feather-light irony, and—ultimately—intensive research into sugar beet cultivation, pesticides, and local flora and fauna, a novel of seamless unity has emerged—a work that reads primarily as a piece of fiction, yet in certain passages feels more like investigative reportage. It seems there is nothing left that Louise Erdrich cannot master. She is now 71 years old—and far from finished.

 

 

Louise Erdrich: *The Mighty Red*, a novel, HarperCollins Publishers, New York 2024, 373 pp., ISBN 978-0-06-327705-2

 

Louise Erdrich: *So war die Welt*, a novel, translated from American English by Gesine Schröder, Aufbau Verlag, Berlin 2025, 495 pp., ISBN 978-3-351-04251-6

 

November 8, 2025          Copyright Christel Heybrock

Translation by Google