Bevor die Weißen kamen…  freundliche Familienserie

 

 

„Born to the Wind“ („Prärieindianer“)          USA TV-Serie 1982

 

Regie Charles S. Dubin

Philip Leacock

I.C. Rapaport

 

Nein, richtig großes Kino ist diese achtteilige TV-Serie nicht, aber bemerkenswert dennoch: Waren Filmemacher in USA und vor allem in Hollywood damals noch äußerst zögerlich, für Rollen indigener Personen auch indigene Darsteller einzusetzen, so besteht hier das Team – abgesehen von weißen Personenrollen - fast ausschließlich aus „Indianern“. Und es sind richtig gute Schauspieler dabei, zu allererst der Zwei-Meter-Indianer Will Sampson als Häuptling Painted Bear – Sampson, der als unvergesslicher Anstalts-Ausbrecher in „Einer flog übers Kuckucksnest“ erstmals vor der Kamera stand. Oder die rundliche Navajo Geraldine Keams, hier als Wind Woman, aber ebenso unvergesslich als Little Moonlight in „The Outlaw Josey Wales“ und später großartig als Iktomis Frau in „Dreamkeeper“. Chiricahua-Apache Dehl Berti hier als gewitzt-fröhlicher Medizinmann und Pferdekäufer One Feather… die „Prärieindianer“ werden dem Publikum mit einem guten, authentischen Team präsentiert, wenn auch manch andere Dinge nicht restlos authentisch sind.

 

So wird gar nicht erst definiert, um welchen Stamm es sich handeln soll , die Rede ist von einer „Medicine Bow Band“, die nicht verwechseln werden sollte mit Leuten aus der Musikbranche und ebenso wenig in Verbindung zu bringen ist mit dem kleinen, aber filmisch häufig präsenten Ort „Medicine Bow“ in Wyoming. Wo genau und wann sich die acht Episoden abspielen sollen, bleibt offen - die „Prärie“ ist oder war zu Beginn des 19. Jahrhunderts, bevor die weißen Eroberer dort erstmals auftraten, ein ziemlich ausgedehntes Gelände, aber gedreht wurde 1978 in Arizona. Und das ist ein bemerkenswertes Datum, denn  nach Abschluss der Dreharbeiten wanderte die Serie erstmal für vier Jahre in die Versenkung - hatten die Produzenten Bedenken wegen allzu großer Indianernähe? Ausgestrahlt wurde schließlich ohne Probleme 1982.

 

Wer all das nicht gar so genau wissen will, wird eine harmlose Freude haben an der indianerfreundlichen Grundstimmung und taktvollen Einfühlung in nichtweiße Lebensformen. Mitdenkende Zuschauer können in jeder Episode ein bisschen lernen – so über die fast konfliktlose Integration eines bei Wölfen aufgewachsenen Jungen in die Gemeinschaft des Stammes: Wer sagt denn, dass unser Leben besser ist als das der Wölfe, heißt es einsichtig von den Indigenen (was für ein Theater ergäbe sich aus vergleichbarer Situation bei uns Weißen!). Überhaupt werden Konflikte letztlich immer gelöst, sie entstehen zwar, aber sie spitzen sich nie dramatisch zu, sondern werden mit Witz, Mut und auch mit Weisheit zu gutem Ende geführt.

 

Indigene Lebensformen, indigenes Denken – die unaufdringliche Humanität müsste weiße Zuschauer mitunter ziemlich nachdenklich machen – aber es sind rundherum familien- und kinderfreundliche Geschichten, die man konsumieren kann wie ein Eis am Sonntagnachmittag – nett und unkompliziert, viel hängengeblieben in den Köpfen ist bisher wohl nicht, aber Unterhaltung pur ist auch nicht zu verachten. Und man denke: die wirklich großen, kulturell verändernden „Indianerfilme“ kamen erst rund zehn Jahre später, „Born to the Wind“ gehört zu den wenigen Vorläufern.

 

 

Indigene Darsteller

 

 

Will Sampson (1933-1987), Muscogee Creek         - Häuptling Painted Bear

 

Linda Moon Redfearn (1939-2014), Cherokee        - Prairie Woman,  Painted Bears Frau

 

Dehl Berti (1921-1991), Chiricahua Apache           - Medizinmann One Feather

 

Ned Romero (1926-2017), Chitimacha                    - Broken Foot

 

Silvana Gallardo (1953-2012), Seminole                - Digger Woman

 

Nick Ramus (1929-2007), Blackfoot                       - Grey Cloud

 

Geraldine Keams, Navajo                                         - Wind Woman

 

 

 

23. August 2023         Copyright Christel Heybrock